Slayer :: Christ Illusion Warner

Jesus Christus! Das Cover! Jesus steht mit abgetrennten Unterarmen in einem Meeraus Blut, in dem abgeschlagene Köpfe schwimmen. Das ist nicht nur sehr lecker anzusehen, sondern auch die perfekte Illustration für die Musik und die Inhalte des neuen Slayer-Albums. Gott ist ein Arschloch. Religion ist scheiße. Krieg, Krieg, Krieg. Blut, Blut, Blut. Tod. 666. Teufel. Teufel, Teufel. Kill kill kill kill. Ja, ja, ja. So ist das Leben nun mal. Ich weiß nicht, ob es nicht langsam langweilig wird, wenn man als Band mit Anfang 40 noch die Punkte auf der persönlichen Tagesordnung stehen hat, die irgendwann vor 20 Jahren einmal „neu waren, sich aber durch eine Vielzahl von Epigonen zum Metal-Klischee entwickelt haben. Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist mit faschistischer/nazistischer Symbolik und faschistischen/nazistischen Themen (hoffentlich nur) zu spielen, um sich irgendwie selbst zu mystifizieren. Ich weiß nicht, ob es unbedingt konsequent ist, Gott zu leugnen und im gleichen Atemzug Satan zu preisen. Und wenn das nur mit dem kindischen Gehabe geschieht, die Single „Cult“ am 6.6.2006 zu veröffentlichen. Wenn Gott das Konstrukt eines sinnsuchenden, esoterischen Bedürfnisses ist, muss es der Teufel auch sein. Vielleicht ist es eine Frage der Anzahl von noch nicht stillgelegten Gehirnzellen, um das zu checken. Auf jeden Fall muss man diese Zweifel, Bedenken und Unstimmigkeiten beiseitewischen, damit die Musik auf CHRIST Illusion so richtig das Herz erfreuen kann. CHRIST Illusion ist eine anstrengende sonic expehence, ein musikalisches Großereignis. Hochgeschwindigkeits-Metal, ultrahartes Geknüppel von vier richtigen Musikern. Erst mal business as usual: the Geknüppel continues, vier Tempowechsel in zwei Minuten, instrumentales Gewichse, Ping-Pong-Gitarrensolicourtesyof Kerry King und Jeff Hanneman. Die Feinheiten offenbaren sich erst beim genauen Hinhören. Wenn sich in „Eyes Of The Insane“ aus einem dunklen Riffbrei mit tribalem Getrommel (Dave Lombardo ist wieder zurück] am Ende doch ein helles Kerry-King-Solo herausschält. Oder „Jihad“, das mit einer beinaheverspielten Gitarrenmelodie (Melodie!) beginnt. Das Schöne an Slayer: Ihr jeweils neuestes Album ist das beste Slayer-Album aller Zeiten. Christ Illusion ist das beste Slayer-Album aller Zeiten.

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