Tempers
DELUSION
Fear Of Luxury/Cascine/Secretly (VÖ: 24.4.)
Art-Synth-Pop, zu dem man begeistert den Aschenbecher leer schlecken möchte.
Die multidisziplinäre New Yorker Künstlerin Jasmine Golestaneh fertigt vornehmlich Collagen, die Vermutung liegt also nahe, dass sie in ihrer musikalischen Identität als Tempers ähnlich vorgeht. Doch Golestenahs Sound-Kosmos wirkt keineswegs zusammengeklebt, vielmehr hat sie ein Händchen für Melodien und Texturen.
„Ich erforsche die Grenze zwischen Selbsterschaffung und Selbstauslöschung“, sagt sie, und so durchläuft ihr lyrisches Ich auf ihrem vierten Album DELUSION eine nebulöse Reise durch breitwandig flackernden Synth-Pop, der nie reiner Synth-Pop bleibt. Sie packt viel in ihre Songkonstrukte hinein, Störgeräusche, Verzerrungen, schrille Samples, sogar Streicher sorgen für cinematographische Effekte. Lieber zu viel als zu wenig gilt gleich für den Album-Opener „Sublevel“, ein elektronischer Fiebertraum, den sie mittels brutalistischem Sound-Design und Versatzstücken aus Trance ins gotische Klangbad taucht.
Die Künstlerin schöpft aus allen Äras elektronischer Musik, von Industrial bis Disco, Letzteres kommt in dem Stampfer „Who Says“ zum Ausdruck, in dem sie mit nachtschattiger Vicky-LeGrand-Stimme (Beach House) durch Italo-Disco geistert. Im dazugehörigen Video findet der Protagonist die Künstlerin als eine Art Mülljungfrau in der Mülltonne, bei ihm zu Hause schleckt sie gleich den Aschenbecher leer. Humor hat Golestaneh also schon. Nur eines fehlt hier völlig: Leichtigkeit.



