Logo Daheim Dabei Konzerte

Upcoming: Kathy Sledge (Sister Sledge)

Weiterempfehlen!
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Stunden
  • Minuten
  • Sekunden
Spezial-Abo

The Witch Regie: Robert Eggers


USA, 2016, Start: 19. Mai 2016

„A New-England Folk Tale“. So lautet der Untertitel des Regiedebüts von Robert Eggers, ein junger Amerikaner, der bislang als Illustrator und Setdesigner in Erscheinung getreten war. Wie alles andere bei diesem Film ist er mit Bedacht gewählt. Er verortet diesen Horrorfilm, dessen Motive so vertraut erscheinen, der aber doch alles ganz anders macht, als man zunächst glaubt, und einen verändert aus dem Kino entlässt, einerseits in einer klar definierten Realität, dem entbehrungsreichen Leben frommer Siedler Mitte des 17. Jahrhunderts im puritanischen Osten Nordamerikas. Andererseits kündigt der Untertitel aber auch an, genau jene Realität und ihre Gesetze auszusetzen: ein Märchen eben, mit unheilvoller Stimmung, dunklem Wald und, klar, Hexen, die in jenem Wald hausen und nach dem Leben kleiner Kinder trachten und vielleicht noch mehr, wer weiß. Daraus bezieht „The Witch“ seine ureigene Spannung.

Es ist ein Film im Schwebezustand. Das hat der Zuschauer mit den Figuren gemein: Man ist hoffnungslos gefangen in der eigentümlichen Welt, die sich einem da auftut. Nie weiß man so recht, ob das Gesehene wirklich geschieht oder doch nur Ausdruck eines langsam um sich greifenden Wahnsinns ist. Eines Wahnsinns, der eine einfache Quäkerfamilie befällt, die, abgeschnitten von allen sozialen Kontakten und geächtet von ihrer Gemeinde, in einer notdürftig errichteten Hütte in der Wildnis von Neu-England auf sich allein gestellt ist. Isolation und Gottesfürchtigkeit sind ein explosives Gemisch. Vorangetrieben von der Verzweiflung, die vom Ausbleiben der Ernte und dem spurlosen Verschwinden des jüngsten Sohnes ausgelöst wird, entsteht ein Überdruck, der sich entladen wird. Das steht fest, das weiß man.

Aber wie es dann geschieht, wie das 14-jährige Mädchen Thomasin mit ihrer ihre erwachenden Sexualität und der Entschlossenheit, dem strengen Vater die Stirn zu bieten, in den Mittelpunkt rückt, das ist das Genialische an Eggers’ Film, der seine Figuren ganz radikal in den Idiomen der Zeit sprechen lässt. Mit handelsüblichen Okkultschockern hat das wenig zu tun, eher mit Ken Russells Meisterwerk „The Devils“ und, mehr noch, dem strengen Kino von Ingmar Bergman und Carl Th. Dreyer: „Tage des Zorns“ fürwahr, mit einer unheilvollen Stimmung, wie sie sich Lars von Trier für seinen „Anti-Christ“ gewünscht hätte.


Folgt uns auf Facebook!



ÄHNLICHE KRITIKEN

Prince :: Originals

Die Piloten seiner Hits für die anderen: Der gesamte Prince-Kosmos, verdichtet auf 15 Stücke.

Vampire Weekend :: Father Of The Bride 

Die Amerikaner haben ihre Popsongs auf Folk- und Countrynährböden gedeihen lassen und mit Prog und Barock abgeschmeckt. 

Von Wegen Lisbeth :: sweetlilly93@hotmail.com 

Lass-ruhig-laufen-Deutschpop, zu dem sich prima mit dem Segway zum Späti oder gleich direkt in die Hölle fahren lässt.  


ÄHNLICHE ARTIKEL

Dünne Höhenluft, noch dünnere Handlung: Die Serie „Into The Night“ auf Netflix

Fasten your seatbelts: In „Into The Night“, der ersten Netflix-Serie aus Belgien, fliegt eine Passagiermaschine durch die Dunkelheit. Einziges Ziel: dem Tod durch Sonneneinstrahlung zu entgehen. Das absurde Endzeitszenario wird leider holprig erzählt und verliert sturzflugartig an Spannung. Auch eine gute Besetzung rettet das Sci-Fi-Thrillerdrama nicht vor der Bruchlandung.

„Tyler Rake: Extraction“ auf Netflix: Und es hat Boom gemacht

Ein gewaltiger und vor allem gewaltlastiger Blockbuster für die eigenen vier Wände: Im neuen Netflix-Actionstreifen ballert sich Chris Hemsworth hemmungslos durch einen Entführungsplot. „Tyler Rake: Extraction“ ist nicht unbedingt originell, knallt und scheppert aber außerordentlich.

„Paardiologie“: Intimer Seelen-Strip mit therapeutischer Wirkung

Ein Podcast über Liebe, Sex, komplexe Gefühlswelten und kleine Geheimnisse – klingt erst einmal nicht nach einem besonderen Alleinstellungsmerkmal. Aber „Paardiologie“ mit Charlotte Roche und ihrem Mann Martin Keß ist anders. Besser. Und intimer als alles, was Ihr bisher von fremden Menschen gehört habt. 


Dünne Höhenluft, noch dünnere Handlung: Die Serie „Into The Night“ auf Netflix
Weiterlesen