Violet Grohl – BE SWEET TO ME: 90s-Erbe, neu erzählt
Der Apfel fällt nicht weit vom Alternative-Rock-Stamm.
Es würde eh keinen Sinn geben, die Einflüsse zu verschleiern, warum also nicht mit offenen Karten spielen? Auf ihrem Debütalbum BE SWEET TO ME trägt Violet Grohl ihre Quellen offensiv nach außen. Da ist die Ex-Band ihres Vaters Dave, inklusive einiger Hooks mit dieser typischen Kurt-Cobain-Gitarre, die man in einer wissenschaftlichen Arbeit als Zitate kennzeichnen müsste, so sehr gleichen sie dem Original. Dazu dienen die vielen von Frauen geprägten 90ies-Indie-Rockbands als Inspiration, die Breeders und Belly zum Beispiel, bei Songs wie „Bug In The Cake“ aber auch L7.
Violet Grohl verbindet den Sound dieser Vorbilder mit einer neuen Art, Geschichten zu erzählen. „Last Day I Loved You“ ist ein trotzig-selbstbestimmter Abschied, „Mobile Star“ verbindet Dream-Pop-Elemente mit Reflexionen auf die Social-Media-Star-Welt, die heute ganz anders funktioniert als der MTV-Zirkus, mit dem ihr Vater damals bei Nirvana klarkommen musste.
Dass Violet Grohl zwar Daddys Metal-Leidenschaft teilt, aber eher auf die Industrial-Variante von Killing Joke steht, zeigt „Often Others“. Direkt danach ist „Applefish“ mit seiner Laut-leise-Dynamik der atmosphärische Höhepunkt eines soliden Debüts.