Album der Woche

Voodoo Jürgens Wie die Nocht noch jung wor


Lotterlabel/Sony (VÖ: 2.12.)

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Früher, da waren die Lippen noch blutrot, das Gras stand hoch, der Sommer dauerte ewig, die Liebe war frisch und die Nacht, die war noch jung. Der Titel des neuen Album von Voodoo Jürgens, WIE DIE NOCHT NOCH JUNG WOR, ist eine Zeile aus „Federkleid“, dem traurigsten und doch denkbar frohgemuten, auf jeden Fall wundervollsten Lied über das Altwerden und das Sterben, das man da draußen seit langer Zeit gehört hat. Zu einem angedeuteten Tango erzählt der Wiener Liedermacher, der als David Öllerer geboren wurde, die Geschichte einer Liebe, die gerade weil sie ewig ist, im Lebensende ihren Schluss finden muss.

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Ja, es geht um die ganz großen Gefühle, die auch Niederschlag im Klangbild finden, das von Jahrmarkt bis Jazzclub reicht, aber sehr gut weiß, wie man Soul buchstabiert. So wird Voodoo Jürgens mit seinem dritten Album nun auch durchaus seinem Landsmann und Namensgeber Udo J. gerecht, wenn er in Songs wie „Weida is gscheida“ den Sound hochzieht, die Arrangements ein gutes Stück dicker werden lässt, ja sogar ein bisserl den Glamour entdeckt.

Aber dann gibt es wieder einen Talking Blues wie „Lassalle Strossn“, in dem Geschichten aus der Wohnungsnot erzählt werden, während eine gestopfte Trompete melancholisch klagt. Da hat sich dann doch nicht viel verändert, die Schwermut ist immer noch das alles beherrschende Gefühl, die Verlierer und Ausgestoßenen, die auf der dunklen Seite, sind die Protagonisten. Bei dem einen reicht das Arbeitslosengeld gerade so, und die anderen wissen nicht mehr, warum sie überhaupt noch zusammen sind. Einer klagt, „bitte verlass mich nicht“, jemand weiß nicht wohin. Aber keine Angst: Erlösung finden alle, spätestens dann halt im Tod.


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