Zoh Amba – „EYES FULL“: Tennessee aus der Distanz

Kratziger Blues-Folk mit Kleinstadtvibes und Sozialanalyse.

Wenn man die ersten drei Alben hört, von dem 2022 von John Zorn produzierten Debüt O, Sun bis zu dem im letzten Jahr erschienenen, avantgardistischen SUN, würde man niemals denken, dass EYES FULL von derselben Musiker:in stammt. Denn die US-Amerikaner:in Zoh Amba hat für das neue Werk das Saxofon und den Jazz weggelassen und sich gänzlich neu orientiert. Immer noch spielerisch und experimentell bewegt sich Amba auf diesem Blues-Folk-Album nicht nur genretechnisch, sondern lyrisch auf neuem Terrain.

Die 13 Songs des Songwriting-Debüts erzählen 13 Geschichten aus dem ländlichen Tennessee. Es ist eine Art Sozialbericht über Lebensrealitäten, die oft ernüchternd sind und von Trauer, Generationenkonflikten und Glaubensfragen geprägt sind. Dabei betrachtet Amba – obwohl selbst dort aufgewachsen – alles aus einer gewissen Distanz. Mit 17 Jahren zog Amba zunächst nach San Francisco und dann weiter nach New York City.

Klares Storytelling, schroffer und knarziger Gesang mit breitem Südstaatendialekt sowie eine dauerpräsente Akustikgitarre werden durch Schlagzeug, E-Gitarre und Bass unterlegt. So gelingt ein persönliches, gesellschaftskritisches und musikalisch gewagtes Songwriting-Debüt.

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