Sein Leben war kein Chanson: Zum Tod von Alain Resnais

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Alain Resnais bei einer Filmpremiere im Jahr 2010

Den Franzosen war Alain Resnais ein Nationalheiligtum. Keine Nachrichtensendung, die am Sonntag nicht mit seinem Ableben aufmachte. Der am 1. März 2014 im Alter von 91 Jahren verstorbene Regisseur galt neben Francois Truffaut und Jean Luc Godard als wichtigster Vertreter der Nouvelle Vague, der zudem bis ins hohe Alter erfolgreiche Filme zu drehen in der Lage war.

Nach ersten Kurz- und Dokumentarfilmen war es seine Auschwitz-Dokumentation „Nacht und Nebel“, die 1955 für erstes Aufsehen sorgte und auch heute noch als vielleicht eindrücklichstes Dokument der Nazi-Gräuel gilt. Seine beiden filmgeschichtlich bedeutendsten Werke markieren gleichzeitig seinen Schaffenshöhepunkt im Rahmen der sogenannten Nouvelle Vague: Im Spielfilmdebüt „Hiroshima mon amour“ von 1959 setzte er sich auf Basis eines oscarnominierten Drehbuchs von Marguerite Duras auf zwei erzählerischen Ebenen mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs auseinander, das höchst avantgardistische „Letztes Jahr in Marienbad“ (1960) lässt Vergangenheit, Gegenwart und Fantasie in Eins laufen und gehört zu den großen surrealen Rätseln der Filmgeschichte.

Seinen größten kommerziellen Erfolg durfte Resnais indes mit etwas leichterer Kost in den Neunzigern feiern. „Das Leben ist ein Chanson“ gewann 1998 nicht nur einen Silbernen Bären, der mit französischen Originalchansons unterlegte Beziehungsreigen konnte insgesamt auch sieben Césars gewinnen. Resnais’ letzter Film, die Bühnenadaption „Aimer, boire et chanter“ („Life of Riley“) feierte auf der diesjährigen Berlinale Premiere und konnte den renommierten Alfred-Bauer-Preis gewinnen. Mit Resnais verliert das Weltkino eine seiner profiliertesten und intellektuellsten Stimmen. Seine fünf wichtigsten Filme haben wir hier noch einmal versammelt.



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