Sepultura

Hardcore-Megastars wissen, was die Fans von ihnen erwarten. Deshalb nutzten die brasilianischen Agitprop-Metaller ihre Promotionreise, um den treuen germanischen Fans bei vier Club-Gigs ihre Messe zu halten. So hatten die Vorboten, eine glücklose US-Combo namens The Clutch, keinerlei Chance, mit ihrer an Rage Against The Machine und Downset angelehnten Funkmetalmelange auf irgendwie geartetes Interesse zu stoßen. Das Pfeifkonzert, das dem eisigen Schweigen während des Auftritts folgte, wurde wider Erwarten noch übertroffen, als sich ein mutiger Promo-Assistent auf die Bühne wagte, um die Gewinner der im Vorfeld initiierten T-Shirt-Verlosung bekanntzugeben. Fast erwartete man, jeden Moment eine Horde Kuttenträger vorstürmen zu sehen, um diese Gelegenheit zu nützen, den Brasilianern ein Blutopfer zu bringen. Als der Saal dann immer mehr einer brodelnden Gladiatoren-Arena kurz vor dem Löwenspektakel ähnelte, erschienen Sepultura dann endlich vor den tobenden Massen. Augenblicklich Schossen Hunderte zum Metaller-Gruß geformte Hände in die Höhe, um die gefeierten Helden zu begrüßen. Die eröffneten mit einer druckvollen Version von ‚Territory‘ und ließen die Szenerie endgültig ins apokalyptische umkippen.

Auch, wenn es den Headbangern im Mosh-Pit wohl herzlich egal war, bestachen die Brasilianer durch exzellenten Sound und einen überragenden Mixer, der die wüsten Drum- und Gitarren-Attacken durchgehend bestens im Griff hatte. Ein feuerköpfiger Max Cavalera brüllte mit durchdringendem Organ eine eindrucksvolle Parole nach der anderen, kongenial unterstützt von der scharfkantigen Axt Andreas Kissers. Souverän spielte sich das Quartett durch einen ausgewogenen Set aus markanten Songs der letzten beiden Alben ‚Arise‘ und ‚Chaos A.D.‘, sowie einer guten Portion des neuen ‚Roots‘-Materials, das durch eine hypnotische Percussion-Einlage mit allen vier Bandmitgliedern an Congas kurz gewürdigt wurde. Die avantgardistische Intention des Albums, brasilianische Ethno-Klänge mit modernem Hardcore zu vereinigen, hätte jedoch nach etwas mehr verlangt als dieser Einlage. Stattdessen einigte man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und bediente die Fans, ohne aus bekannten Spielarten auszubrechen. Die Ethno-Elemente der neuen Platte mußten der Vorgabe weichen, den zumeist jugendlichen Anhängern vor allem eines zu liefern: eine gute Show. Und die soll ihnen in dieser Intensität erst mal jemand nachmachen.

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