Sheryl Crow


SOLLTE AN DIESEM ABEND IRGENDJEMAND GLÜCKSGEfühle verspürt haben, dann waren die nicht nur teuer bezahlt – die Eintrittskarte kostete 45 Mark – sondern auch mit viel Strapazen und Geduld erkauft. Ursprünglich sollte der Auftritt im „Babylon“ stattfinden. Wegen der großen Nachfrage entschloß man sich jedoch kurzfristig, das Konzert in den tristen Industrievorort Freimann im Münchener Norden zu verlegen. Die dortige Zenithhalle faßt gut und gerne 5.000 Menschen und wird nicht eben häufig gebucht. Aus gutem Grund: Das Gemäuer hat den Charme eines Flugzeughangars und bietet einees muß gesagt werden – saumäßige Akustik, sowie ausreichende Sicht auf die Bühne bestenfalls für die ersten Reihen. Wer Glück hatte und über die Verlegung per Radio oder Zeitung informiert war, war wenigstens pünktlich zum angekündigten Showbeginn um halb acht vor Ort. Dort allerdings hieß es erst einmal warten. Denn Frau Crow hatte zunächst Wichtigeres zu tun: Das Fernsehen respektive Herr Jauch hatte gerufen. Und derlei PR-Aktionen gehen vor, wie man weiß. So begab sich die Dame mit ihrer Kapelle erst gegen zehn Uhr auf die Bühne. Was sie dort ablieferte, war ein fahrig und wenig engagiert abgespultes Greatest Hits-Programm. Knapp 90 Minuten ohne wirkliche Überraschungen. Zudem wirkte die live nicht eben wahnsinnig charismatische Frontfrau im kühlen Hallenambiente noch herber als sonst. Fazit: Was Tourveranstalter und Management hier boten, war miserabler Dienst am zahlenden Kunden – und ein Bärendienst am eigenen Künstler.