So war es beim Clubkonzert von Jan Delay im Berliner Lido

von
Jan Delay spielte am 07. April im Berliner Lido...

„Hallo Berlin – habt ihr Lust auf Rock?“, schreit Jan Delay aus dem Off, als er am 07. April 2014 mit seiner 11er-Kombo Disco No.1 die Bühne des Berliner Lido betritt – darunter der Udo-Lindenberg-Tourgitarrist Jörg Sauer, drei Backgroundsängerinnen und eine Bläser-Fraktion. Die Herren und Damen um den Hamburger Sänger erscheinen mit schwarzem Jackett, weißem Hemd und Krawatte eher wie eine große Big Band, als eine Rockformation, die den Rock’N’Roll in die Funk- und Rap-Musik des Jan Philip Eißfeldt, so Jan Delays bürgerlicher Name, hineintragen soll.

Im restlos ausverkauften Club – im Herbst geht Jan Delay wieder auf Hallentournee – streut seine Band Disko No.1 immer wieder Snippets von Rock-Klassikern wie von Led Zeppelin oder Blur ins Set ein, wechseln sich Gitarrenakkorde mit Heavymetal-Riffs, ist der Lärmpegel der Verstärker auf höchstem Anschlag und werden die Stücke in Hochgeschwindigkeit performt. Doch die neuen Songs wie „Liebe“ oder „Wacken“ als Rockstücke zu beschreiben, wäre zu viel des Guten.

Zu funkig klingt die Musik des selbsternannten Rockstars weiterhin, zu rappend klingt der Vortrag seiner Lyrics. Jan Delay 2014 nuschelt und säuselt mit Hut und Sonnenbrille in bekannter Poser-Attitüde in sein Mikrofon, verausgabt sich im Pirouetten-Tanz und mit fuchtelnden Armen, hebt nach jedem Stück die Arme mit dem Rücken zum Publikum in die Lüfte – „Habt ihr Lust auf Party?“, ruft er folgerichtig kurz darauf den Besuchern entgegen.

„Auf was es im Leben ankommt?“, fragt sich Delay. „Es geht um Liebe und Spaß“, antwortet er selbst. Genau hier erkennt man die immer noch währende Stärke des Jan Delay: Rockstar kann er jetzt zwar sein, doch im Endeffekt bleibt er der Entertainer und Unterhaltungskünstler, der er immer war.

In dieser Rolle ist er Perfektionist, bringt die Zuschauer im Lido zum Arme hochrecken, zum Lassoschwingen ihrer nassgeschwitzten Hoodies, T-Shirts und Jutebeutel.  Mit „Oh Johnny“ verabschiedet er sich schweißgebadet vom Publikum, um mit „Habt ihr Lust auf Disco“ unter tosendem Applaus zurückzukehren, jetzt natürlich passend zur Partystimmung in Discorave-Klamotten mit Trägershirt und Cape auf dem Kopf. Mit seiner Stop-Motion-Performance bringt er das ganze Publikum zum Mitmachen und agiert dabei wie ein professioneller Animateur, bevor Delay sich entgültig mit der Mitgröhl-Hymne „St. Pauli“ nach knapp 105 Minuten von der Bühne verabschiedet.

Jan Delay muss man nicht mögen, über seine Stimme kann man lästern, als Rockstar darf man ihn gerne auslachen, doch was er kann, das ist die Stimmung anheizen, das ist Party machen, das ist Disco. Sicherlich auch bei seiner im Herbst anstehenden Hallen- und Stadiontour.



Die verstorbenen Persönlichkeiten 2018
Weiterlesen