Tauchen ohne Reue: Biohazard

MÜNCHEN. Mit den Worten „The stage is yours“ lud Evan Seinfeld. Kopf des Hatecore-Quartetts aus Brooklyn, das Fußvolk zu einer wahren Stage diving-Orgie ein. Das fast ausschließlich männliche Publikum ließ sich nicht lange bitten und enterte die Bühne der „Charterhalle“, um sich lustvoll wieder in die Menschenfluten zu stürzen. Das Sprungbrett wurde in solchen Massen frequentiert, daß die New Yorker „Asskicker“ zeitweise — zumindest optisch — im Meer der Hobbytaucher untergingen.

Die passiven Teilnehmer des Happenings bekamen eine nicht minder exklusive Behandlung: Ganzkörpermassage, ausgelöst durch gigantische Phonbrecher, die an den zitternden Leibern brandeten. Diejenigen „Hörer“, denen die Phon-Massage weniger zusagte, konnten sich an Gitarrist Billy Graziadei ein Beispiel nehmen: Bei günstigem Standwinkel zum Publikum konnte man seine gelben Ohrenpfropfen im Scheinwerferlicht leuchten sehen.

Mit Nachdruck gab Seinfeld, der mit sichtlichem Stolz seine Ganzkörpertätowierung präsentierte, politische Statements ab („Say no to racism“) und konnte sich auch Seitenhiebe aufs Business nicht verkneifen („Music’sforyou andme, not thejukking industry“). Ansonsten herrschte die schiere akustische Brachialität. Die Intensität, mit der die „Biogefahr“ über das Münchner Publikum hereinbrach, läßt den Schluß zu, daß Metallica nun endgültig zum Kuschelrock gerechnet werden müssen.

Nach eineinhalb Stunden Tauchvergnügen, hauptsächlich vom zweiten Album „Urban Discipline“ untermalt, waren die Sauerstoffflaschen leer. Eine Zugabe erübrigte sich.

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