The Veils live in Berlin: Perfektion ist was für Langweiler

The Veils sind eine Band, die einem zur Hilfe eilt, wenn man nicht mehr weiter weiß. Nach einer großen Euphorie-Phase, meist direkt nach dem Kauf eines Veils-Albums, schlummern die Platten leise im Regal und warten auf ihren Einsatz. Der kommt meist, wenn man als exzessiver Musikkonsument nicht mehr weiter weiß. Welche Platte lege ich auf? Welche Band möchte ich gerade überhaupt hören? Hier kommen Alben wie NUX VOMICA oder TOTAL DEPRAVITY ins Spiel. Mit klugem Songwriting, wunderschönen Melodien und einer Stimme, die zwischen Euphorie und Leid hin- und herpendelt, scheinen die Veils einem in dem Moment den Tag zu retten.

Die britische Band hat sich mit der Mischung in über zehn Jahren in die Herzen einer festen Fangemeine gespielt. Der bombastische Erfolg blieb aus, aber den Anhängern scheint das nichts zu machen – im Gegenteil: sie begrüßen es, die Veils alle paar Jahre in den kleinen, wirklich schönen Clubs des Landes genießen zu dürfen. In Berlin machte die Band um Sänger Finn Andrews am 23. November Halt mitten in Kreuzberg, im Bi Nuu, und schaffte es auch dieses Mal, ein äußerst buntes Publikum anzuziehen.

Einen Tag zuvor hatten sie in kleiner, intimer Runde einen kurzen Gig im Plattenladen Dodo Beach gespielt, an diesem Abend werden aber wieder alle Geschütze aufgefahren. Nur die Technik wollte bei diesem Plan nicht so recht mitwirken. Was zunächst als Show mit Songs aus dem aktuellen Album, TOTAL DEPRAVITY, beginnt, wird zu einem ärgerlichen Unterfangen für die Band, als die Verstärker nicht mehr das machen, was sie nun mal tun sollten.

„Weißt du noch, der Auftritt, an dem Finn Andrews trotz allem den Abend rettete?“

Finn Andrews zeigt sich als Voll-Profi und stimmt zwei Songs als Solo-Nummer an: „The Tide That Left and Never Came Back“ und „Sun Gangs“. Zur Freude des Publikum, dass nun begeistert applaudiert, um der Band zu sagen: Alles halb so wild, trotzdem ein schönes Konzert. Kurz darauf kann die Show auch weitergehen. Und dann sagt Finn Andrews etwas, das man von ihm so gar nicht erwartet. „Fucking hell“, ruft er ins Mikro. Er, der immerzu wie ein Gentleman aus dem Bilderbuch wirkt und mit Eleganz und Hut über die Bühne schwebt.

Der technische Ausfall, der den Perfektionismus der Band erschüttert haben mag, wird den Konzerbesuchern höchstwahrscheinlich positiv in Erinnerung bleiben. „Weißt du noch, der Auftritt, an dem Finn Andrews trotz allem den Abend rettete?“ – so in etwa wird man sich erinnern, wenn die Veils einem mal wieder den musikalischen Tag gerettet haben werden.

Die Setlist der Veils am 23. November 2016 in Berlin:

Here Come the Dead
Axolotl
Do Your Bones Glow at Night?
Low Lays the Devil
Swimming with the Crocodiles
Nux Vomica
House of Spirits
The Pearl
A Bit on the Side
Total Depravity
Iodine and Iron
Not Yet
The Tide That Left and Never Came Back
Sun Gangs
Calliope!
Jesus for the Jugular
King of Chrome


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