Van Morrison

Astral Weeks (1968)

26 Ein paar Minuten vor „Astral Weeks“ (popgeschichtlich gerechnet) war Van Morrison noch Sänger der rauhbeinigen R&B-beeinflußten Band Them gewesen, die zwar auch einen gewissen groben Charme besaß, aber nicht sonderlich richtungsweisend war: Them beackerten in etwa dasselbe stilistische Gebiet wie Dutzende anderer Bands – die frühen Stones, Animals, Yardbirds, Pretty Things usw. Doch dann, ganz plötzlich, erfand der Belfaster als Solist seinen ganz eignen Stil, den er später „Caledonian Soul“ nennen sollte. Es scheint, als versuchte Van schon im Alter von 23 Jahren, seine Vergangenheit in mythischen Farben zu malen und sich in eine Welt zurückzusingen, die mit Showbusiness noch nichts zu tun hatte. Die ruhige, jazzgetränkte Atmosphäre des Albums ist zweifellos zum großen Teil das Verdienst von Produzent Lew Merenstein, der den hervorragenden Bassisten Richard Davis (Mitstreiter in den New-Jazz-Gruppen von Eric Dolphy und Elvin Jones) zu den Aufnahmen holte und ihm im Rahmen der Arrangements freie Hand ließ. Van war trotzdem zunächst nicht sehr glücklich mit dem Album. Er hielt es für zu monoton und wies darauf hin, er habe das Projekt zunächst als Rockoper konzipiert (um Himmels willen!) und völlig andere Arrangements im Kopf gehabt. Genies sind manchmal schwer zu verstehen. Das gilt übrigens auch für die Texte. Morrison selbst besteht darauf, er wisse auch nicht genau, was sie zu bedeuten hätten, sie würden sich quasi von selbst schreiben. In einem Interview wurde er mal gefragt, ob mit „Madame George“ in dem gleichnamigen Song wohl ein Transvestit gemeint sei. „O nein“, meinte Van, „ich denke da eigentlich eher an ein Schweizer Käsebrötchen.“

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