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Ein Dokumentarfilm über das Spannungsfeld zwischen kulturellem Anspruch und Wirtschaftlichkeit in der Festivalindustrie

Veranstaltungs-Tipp: „Wenn die Nacht am tiefsten“-Festival feiert Ton Steine Scherben und Rio Reiser

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Vom 4. bis zum 13. Juni ehrt das Festival „Wenn die Nacht am tiefsten“ 50 Jahre Bandgeschichte der Scherben und das 70. Geburtsjahr Rio Reisers. Die Browse Gallery zeigt währenddessen vom 11. Juni bis 4. Juli ihre gleichnamige Foto-Ausstellung zur Bandgeschichte.

Auf dem Programm der Festival-Woche stehen unter anderem Ton-Steine-Scherben-Konzerte gemeinsam mit Gastmusiker*innen, Lesungen, Kino, Podiumsgespräche, Theater-Performance, Stadtspaziergänge und Schifffahrten. Zudem findet am 12. Juni, dem vorletzten Festival-Tag, die feierliche Umbenennung des Kreuzberger Heinrich-Platzes in den Rio-Reiser-Platz statt.

Die Foto-Ausstellung der Browse Gallery eröffnet am 10. Juni unter freiem Himmel: Es wird eine Open Air Foto-Installation im Rondell vor dem Künstlerhaus Bethanien am Mariannenplatz geben (dort war Rio Reiser schon unter anderem in seinem Video zu „König von Deutschland“ zu sehen). Der zweite Teil der Ausstellung findet innerhalb des Künstlerhauses statt.

Die Browse Gallery bietet zudem ein interaktives Mitmachangebot begleitend zur Ausstellung an. Die Gäste sind eingeladen, kurze Videos zu drehen mit ihren Erinnerungen und persönlichen Bezügen zu den Scherben. Gesammelt werden die Beiträge dann an einem digitalen Memory Clipboard.

Ton Steine Scherben: Kultureller Einfluss statt kommerzieller Erfolg

Auch wenn die Band kommerziell nicht zu den erfolgreichsten Bands Deutschlands zählt, ist ihr musikalischer Einfluss, den sie bis heute mit ihrem Werk auf eine Breite Musiker*innen hierzulande ausüben unanfechtbar. Ein übertriebener kommerzieller Erfolg wäre den politischen Maximen der Gruppe wohl auch zuwider gewesen. Gelten sie doch als die Ur-Punk-Band des Landes. Zu ihren Fans zählen unter anderem Rocko Schamoni, Die Sterne und Tocotronic.

„Keine Macht für niemand“: Titel für generationenübergreifende Jugendbewegungen

Seit ihrer Gründung 1970 avancierten ihre politisch aufgeladenen Songs in den Siebziger- und Achtzigerjahren zum Soundtrack der Hausbesetzer-Szene und der Studentenbewegungen. Rio Reiser schlug Mitte der Achtziger eine Solokarriere ein. Seine kommerziell erfolgreichsten Stücke wurden „König von Deutschland“ sowie „Junimond“. Am 20. August 1996  verstarb er im Alter von 46 Jahren.

Mit programmatischen Titeln wie „Keine Macht für niemand“ und „Macht kaputt was euch kaputtmacht“ lieferten Ton Steine Scherben Zeilen für generationenübergreifende Jugendbewegungen. Auch der „Rauch-Haus-Song“ verliert aufgrund der fortschreitenden Gentrifizierung von Großstädten und Zwangsräumungen seit seinem Release im Jahr 1972 keine Aktualität.

Das „Wenn die Nacht am tiefsten“-Festival findet vom 4. bis zum 13. Juni in Berlin-Kreuzberg statt. Weitere Infos zum Programm finden ihr hier auf der offiziellen Website.

++ Dieser Artikel erschien zuerst auf rollingstone.de ++

Rita Kohmann

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