Wie die Stadt Barcelona 60% ihrer Verkehrsflächen von Fahrzeugen befreien will

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Mit der spanischen Metropole verbinden die meisten Menschen Urlaub und eine entspannte Atmosphäre. Sonnenanbeter können den langen Sandstrand besuchen, Architektur-Liebhaber den katalanischen Jugendstil von Antoni Gaudi erkunden und sich von der spanischen Leichtigkeit tragen lassen. Was Touristen meistens nicht ins Auge fällt, sind die Probleme, die eine Stadt bewältigen muss. So wird in Barcelona aufgrund der hohen Luftverschmutzung und des überdurchschnittlich hohen Lärmpegels durch den Verkehr an einem neuen Mobilitätsmanagment gearbeitet.

Das Ziel ist es, 21% des Verkehrs zu reduzieren und an die 60% der Straßen wieder den Anwohner zur Verfügung zu stellen, in sogenannten „Bürgerflächen“. Der Plan soll Anfang der Erschaffung von „Superblocks“ umgesetzt werden.

Der Städtebau Barcelonas folgt einem strengen Raster mit Blockrandbebauung, der von einem langen, diagonal verlaufenden Boulevard durchbrochen ist – ähnlich wie in Manhattan, New York. Diese im 19. Jahrhundert vom katalanischen Stadtplaner Ildefons Cerdà angelegten Blöcke sollten eine gleichmäßige Verteilung der Bevölkerung gewährleisten, was wiederum zu einer Ausgewogenheit von Grünflächen und Verkehr führen sollte. Doch die Realität sah anders aus: Das Raster wurde durchsetzt von Fahrzeugen, die Verschmutzung und Lärmbelastung stiegen enorm.

Fahrzeuge dürfen nur in Ausnahmefällen in den „Superblock“

Nun muss die Nutzung eben dieses Rasters im 21. Jahrhundert angepasst werden. Die neue Idee sieht vor, aus mehreren Blöcken, beginnend im Stadtteil Eixample, einen großen „Superblock“ zu formen, der für den Verkehr nur unter bestimmten Bedingungen zugänglich ist. Innerhalb dieser Struktur sollen vorwiegend die Anwohner auf den Straßen unterwegs sein und diese für sich „zurückerobern“. So könnten vermehrt Grünflächen, Spielplätze und Erholungsflächen entstehen. Autos, Busse, Motorroller dürften den „Superblock“ umfahren und nur Anwohner dürften mit einem Tempo von 10km/h einfahren.

Die Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf die Landwirtschaft und das Wohlbefinden der Einwohner soll damit verbessert werden. Laut dem katalanischen Umweltamt können 1200 Menschenleben pro Jahr gerettet werden, wenn die von der EU vorgegeben Werte für Stickstoffoxid eingehalten werden. Barcelona und die 35 angrenzenden Gemeinden haben es nämlich nicht geschafft die EU-Vorgaben für Luftqualität zu erfüllen.

Des Weiteren könnten rund 18.700 Asthma-Attacken, 12.100 schwere Fälle von akuter Bronchitis und 600 Fälle von Herz-Kreislaufbeschwerden verhindert werden, so das Umweltamt. In einer Stadt mit einer Einwohnerzahl von 1,6 Millionen fiele das bereits ins Gewicht.

Umsetzung durch „taktischen Urbanismus“

Die Umsetzung dieses Vorhabens soll in den kommenden zwei Jahren vollzogen sein. 13,8 Millionen Quadratmeter Stadtfläche sollen nach dieser Zeit frei von motorisiertem Verkehr sein, zudem sollen zu 100 Kilometer Fahrradwegen weitere 200 hinzukommen. Der Prozess wurde anhand einer Methode ins Rollen gebracht, die Janet Sanz, Stadträtin für Umweltschutz, als „taktischen Urbanismus“ bezeichnet. In vielen Ortsteilen der Stadt wird zeitgleich mit den ersten Veränderungen begonnen. Der Stadt steht ein Anfangsbudget von 10 Millionen Euro zur Verfügung.

„Das Ziel ist es, aus Barcelona eine Stadt zu machen, in der man auch tatsächlich leben kann“, so Janet Sanz, „da es eine mediterrane Stadt ist, verbringen die Einwohner sehr viel Zeit auf den Straßen – diese Straßen sollten wie ein zweites Zuhause sein, eine Art dauerhafte Erweiterung deiner Wohnung. Öffentliche Plätze sollten die Möglichkeit zum Verweilen anbieten, in denen Grünflächen nicht nur eine Anekdote sind und auf denen sowohl die Geschichte des Viertels zu spüren ist, als auch das gegenwärtige Leben Platz hat.“

Die Ideen von „Superblocks“ gehen auch auf die Philosophie des Stadtplaners Cerdà zurück, die nun in einen modernen Kontext gesetzt wird. Jeder Block soll etwa 400 mal 400 Meter groß sein und von 5.000 bis 6.000 Menschen bewohnt werden. Man könne sich das vorstellen wie eine kleine Stadt in der Stadt, in der es alles gibt, was die Anwohner zum Leben benötigen.


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