von Sassan Niasseri
Alben
Air
Le Voyage dans la Lune
Trommeln für den Kolonialismus: Air kreieren den Soundtrack zur Monderoberung.
Foto:
EMI
Air - La Voyage dans la Lune
In dem 1902 von George Méliès gedrehten Kurzfilm „Die Reise zum Mond“ landen Astronomen auf dem Erdtrabanten und geraten dort mit veitstanzenden Eingeborenen ins Gefecht. Nach ihrer Flucht werden sie auf der Erde mit einer Feier begrüßt, als seien sie Kriegsveteranen. Zeitgenössischer Glaube an den Kolonialismus kennzeichnete Méliès und „Le Voyage dans la Lune“. Heute ist es berechtigte Ablehnung imperialer Träume, die auch Méliès’ Landsleute prägt, die Air-Musiker Nicholas Godin und JB Dunckel. Mit ihrem – erstmals auf dem Cannes-Festival vorgestellten – Soundtrack schlagen sie dennoch martialische Töne an. Ironischerweise sind es nicht sphärische Klänge, sondern „ erdverbundene“ Musik, Bass und Schlagzeug, die das Herz der Stücke ausmachen – als Taktgeber einer Invasion. Tribal Drums instrumentieren den „Astronomic Club“ der rauschebärtigen Forscher, „Sonic Armada“ choreografiert die Kämpfe der Astronauten mit den Seleniten als Actionszene neu, und bei der „Parade“ auf der Erde erklingen auch keine Fanfaren, sondern linkische Herzschlagrhythmen. Air ist mit ihrem knapp über 30-minütigem Soundtrack zweierlei gelungen: Sie deuteten einen Klassiker durch das Mittel nachträglicher Filmmusik, durch desillusionierend klingende Melodien, komplett um. Und, viel wichtiger: Sie beerdigen ihre eigenen Mondfantasien. Den süßen Traum jener Moon Safari, der ihnen einst den Welterfolg bescherte. Willkommen im Krieg. Key Tracks: „Astronomic Club“, „Sonic Armada“, „ Parade“
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