History

10 Fakten über… Studio Braun

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  1. Studio Braun, so heißt das Cliquen-Humor-Vehikel von Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk. Und wer diese Pseudonyme schon schräg findet, sollte mal die Geburtsnamen dazu lesen: Tobias Albrecht, Heinrich Ebber und Mathias Halfpape.
  2. Alle drei sind auch für eigene Musik-, Hörspiel- und Buchprojekte bekannt. Heinz Strunk etwa für seinen Bestseller- Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) und „Der Goldene Handschuh“ (2016), der ihm den Wilhelm-Raabe-Preis einbrachte.
  3. Die Gründung von Studio Braun ist erstaunlicherweise das Ergebnis eines Castings: Ende der 1990er suchte der Musikproduzent Alexander von Oswald nach einer deutschen Version der Jerky Boys. Das Komikerduo aus New York war mit Scherzanrufen auf CD bis weit in die US-Charts vorgestoßen – klarer Fall, Scherzanrufe machen reich! (Wie sich später allerdings herausstellen sollte: nicht.)
  4. Der ursprüngliche Name von Studio Braun lautete „Studio Bach“. Aber nur so lange, bis der Komiker Bodo Bach dagegen klagte. Warum sich die drei stattdessen Studio Braun nannten, OHNE von der Firma „Tonstudio Braun“ verklagt zu werden, die für ihre John-Sinclair-Hörspiele berühmt ist, bleibt ein Rätsel.
  5. Heinz Strunks Aussagen in einem Interview-Podcastzufolge waren an der Gründung von Studio Braun Die Ärzte schuld: Rocko Schamoni und Jacques Palminger sollen ihren späteren Gag-Partner Strunk kontaktiert haben, nachdem Bela B. dessen völlig unbekannte Platte SPASS MIT HEINZ aus dem Jahr 1992 empfohlen hatte.
  6. Für die ersten 30 verwertbaren Spaßanrufe erhielten Studio Braun von Mercury Records 60.000 DM Vorschuss. Man merkt, Plattenfirmen ging es damals noch gut.
  7. In den Telefonstreichen des Trios wird fast nie nach unten getreten. Meist lacht man mehr über den Anrufer als den Angerufenen. Neben reichlich Dadaismus erfahren viele der Telefonate auch zahlreiche Wendungen. Rocko Schamoni nannte die Studio-Braun-Anruftechnik einst die „Ja- Straße“ und führte weiter aus: „Wir haben immer einfach mal geguckt, was der Angerufene so anzubieten hat. Und wir waren sofort bereit, dem anderen den Staffelstab zu übergeben, wenn wir merkten, dass er stärker war.“
  8. Unter den insgesamt weit über 100 veröffentlichten Prank-Calls auf sechs Alben finden sich etliche mit dem Zeug zum Humor-Klassiker: Etwa der Anruf von Jacques Palminger als Referent des Hauptadelsarchivs Bamberg, das einem Adligen mitteilen muss, sein Titel sei aberkannt worden, man könne dem Klienten aber ein paar sehr gute bürgerliche Nachnamen als Ersatz anbieten: „Büscheling“, „Sasel“ und „Vonnebrink“ („Da wäre ihr ‚von‘ noch mit drin!“). Der Angerufene glaubt das schockiert, will aber wegen des neuen Nachnamens erst mal seinen Vater fragen …
  9. Studio Braun, das gab es seit 1998 auch immer mal wieder live auf deutschen Bühnen. Ursprünglich unter dem Namen „Jogging Mystique“. Nach einem der ersten Gigs in Frankfurt soll Heinz Strunk zu seinen Partnern gesagt haben, er würde nie wieder mit ihnen auftreten wollen, weil es so scheiße gewesen wäre. Es kam dann aber doch anders.
  10. Das Geschäft von Studio Braun ist schon seit etlichen Jahren keine Telefonpointen-Abzocke mehr. Die Beteiligten betonten immer wieder, wie froh sie darüber seien – die Anrufe seien psychisch belastend gewesen, ständig habe man sich geschämt. Längst inszenieren Strunk, Palminger und Schamoni Theaterstücke, etwa 2010 „Rust – Ein deutscher Messias“ (über den „Moskauflieger“ Mathias Rust). Mit der Mockumentary „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“, die teilweise auf dem Melt!-Festival gedreht wurde, gelang ihnen 2012 sogar so etwas wie das deutsche „Spinal Tap“. Der Film soll angeblich demnächst als Sky-Serie eine Fortsetzung erfahren. Falls Corona nicht auch das kaputt gemacht hat.

Diese Liste erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 08/2021.


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