Time Is Now

Future ist die Stimme der Gegenwart – jetzt will er ein Künstler mit Zukunft werden.

Jede Rap-Generation hat ihre großen Sänger, ohne die scheinbar nichts geht. Einst brachte der mittlerweile verstorbene Nate Dogg die Geschmeidigkeit in den G-Funk. Später holten Outkast regelmäßig ihre Geistesverwandten Sleepy Brown und Cee Lo Green ins Studio. Und zuletzt waren auf vier von drei Stücken im Radio die aufgemotzten Stimmen von Akon und T-Pain zu hören. Ihnen allen ist gemein: Sie haben unzählige Hit-Hooks geschrieben. Als eigenständiger Künstler aber konnte sich keiner von ihnen etablieren. Nun möchte ein bis vor Kurzem völlig unbekannter Endzwanziger aus Atlanta den Fluch brechen: Future.

Der Name ist Programm. Er ist nur ein wenig überholt. Denn der Sänger, Rapper und Songwriter prägt die Gegenwart seines Genres wie niemand sonst. Nachdem er 2010 mit ersten Blog-Hits aufhorchen und 2012 ein leicht unterschätztes Debütalbum folgen ließ (PLUTO), verzeichnete er zuletzt eine beispiellose Serie von überlebensgroßen Hymnen. Rihannas „Loveeeee Song“, „Bitches Love Me“ (Lil Wayne), „Fo Real“ mit Drake, die wunderschöne Weltraumballade „Neva End“ mit Kelly Rowland – so klingt HipHop heute. Nach Futures kaputtem Robotersoul, irgendwo zwischen Bordstein und Milchstraße. Einen Überblick konnte man sich kurzzeitig mit dem Mixtape F.B.G.: THE MOVIE (datpiff.com) verschaffen. Doch seitdem sind schon wieder neue Kracher erschienen, mit French Montana, Ciara und Pusha T. Der Mann eignet sich perfekt zum Binge Listening.

Nun muss Future beweisen, dass er es auch alleine kann; sein zweites Album FUTURE HENDRIX dürfte zum Prüfstein werden. Seiner blechernen Stimme und seinen harmonischen Non-Sequiturs haftet der Beigeschmack des Gimmicks an. Gleichzeitig ist er ein so brillanter Songschreiber, dass man ihm den Schritt zur echten Karriere durchaus zutraut. Die Wahrheit wird die Zukunft zeigen. Und wenn die so klingt wie das Hier und Jetzt, muss einem nicht groß bange sein.

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