Queen & Paul Rodgers live in München


Ansturm der Zwerge: MUSIKEXPRESS-Leserin Franziska Kekule hat sich in die Münchner Olympiahalle zum Konzert von Queen & Paul Rodgers gewagt - um Großeltern, Alt-68er und Pubertätslinge der Next-Next- Generation bei der Imagepflege zu beobachten.

Vor einem Jahr als eingefleischter Musikrassist und „Nur 77 ist echt gewesen“-Attitüde, hätte man mich zu einem Queen-Konzert wahrscheinlich prügeln müssen. Doch neuerdings geläutert und (beinahe) durch und durch tolerant, erbarmte ich mich letzte Woche eines eingeschworenen „We Will Rock You“-Fans und leistete großmütig Gesellschaft. Zu meiner Überraschung stellte sich in der Halle dann sehr schnell heraus, dass ich damit ganz und gar nicht allein war. Großvater am Stöckchen, Oma mit Blutdruckmessgerät und eine ganze Schar Alt-68er schunkelten sacht am Rand, während ihre 16-jährigen Sprösslinge unbändig in die Menge hüpften. Wie und warum die Next-Next-Generation nun auf Queen kommt? Ich stelle mir vor, dass das etwas Ähnliches ist wie das ominöse „Stones-Syndrom“. Lebende Legenden, von denen der Pubertätsling vielleicht nur ein oder zwei Lieder kennt und die vielleicht auch noch „ganz ok“ findet, aber nun weniger für Musik und Tanz zum Konzert rennt, sondern vielmehr fürs Image – genauer: um am nächsten Tag mit dem erstandenen T-Shirt in der Schule zu posen (Apropos: Deutschland braucht Schuluniformen!).Trotz ihrer niederen Beweggründen packte sie – oder zumindest „Cool Keith“-Kevin neben mir – aber mit „I Want To Break Freeee“ eine gewisse Euphorie. Bei der Oktoberfesteinlage wurde brav Schulter an Schulter mit Mama und Papa geschwunkelt, dann erschreckend andächtig den Balladen gelauscht und natürlich stand die ganze Halle bei „We Will Rock You“ und stampfte sich den Staub von den Schuhen und die Großeltern das Alter aus den Beinen. Ich für meinen Teil war grenzenlos selig mit den 7-minütigen Gitarrensoli, dem gänzlich ernsten Rock-Star-Pathos, das man in dieser Form sonst nur noch bei KISS sieht und last but not least: Paul Rodgers Duetten mit zahllosen Freddie-Einspielern. Wer weiß, in ein paar Jahren geht das ganze vielleicht noch ausgetüftelter mit einem hüpfenden Mercury-Hologramm anstelle der starren Leinwand. In jedem Fall sollte Paul bleiben, denn der hat sich an diesem Abend in der Olympiahalle mehr als nur bewiesen. Schließlich ging es gerade dank ihm (und dem Gott der Drummer) dieser frevelnden Next- Next-Generation am Ende doch um ein wenig mehr als nur um die schnöde Imagepflege. Beim nächsten längeren Gitarrensolo im Radio sollte man also genauer hinhören…

Franziska Kekule – 10.10.2008