Drei Jahrzehnte Tocotronic: Die Sommer-Tour 2026 durch Europa
Von Indie-Pionieren zu Rock-Ikonen: „Musikexpress“ präsentiert Tocotronics „Golden Years“ live. Acht exklusive Open-Air-Shows zwischen Bodensee und Wien.
Wenn junge Menschen heute beginnen, Gitarre zu spielen, orientieren sie sich nicht selten an Songs von Tocotronic. Die Hamburger Band zählt seit den 1990er-Jahren zu den prägenden Formationen des deutschsprachigen Indie-Rock und hat über drei Jahrzehnte hinweg ein umfangreiches, stilistisch wandelbares Werk aufgebaut.
Von reduziertem Gitarrenrock zur orchestrierten Klangsprache
Gegründet wurde Tocotronic 1993 von Dirk von Lowtzow (Gesang, Gitarre), Jan Müller (Bass) und Arne Zank (Schlagzeug). Das Debütalbum DIGITAL IST BESSER erschien 1995 und verband reduzierten Gitarrenrock mit markanten Textzeilen, die sich schnell als Slogans etablierten. Bereits mit den folgenden Alben NACH DER VERLORENEN ZEIT und WIR KOMMEN UM UNS ZU BESCHWEREN gelang der Band der Schritt aus der Clubszene in größere Kontexte. ES IST EGAl, ABER (1997) markierte eine erste Öffnung des Sounds durch zusätzliche Instrumente wie Mundharmonika und Streicher.
In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren wurde die Musik komplexer und dunkler. K.O.O.K. (1999) griff Einflüsse aus härteren Rockstilen auf, während das selbstbetitelte „weiße Album“ (2002) stärker orchestriert war und Realismus mit surrealen Motiven verband. Seit 2005 ist Rick McPhail als zweiter Gitarrist fester Bestandteil der Band, was den Klang durch dichte Gitarrenflächen und Feedbackstrukturen erweiterte.
Die Berlin-Trilogie und spätere thematische Verschiebungen
Mit PURE VERNUNFT DARF NIEMALS SIEGEN (2005) entwickelte sich eine Phase, in der Tocotronic politische, gesellschaftliche und philosophische Fragestellungen verstärkt in ihre Texte integrierten. PURE VERNUNFT… gilt als zentraler Bezugspunkt im späteren Werk und leitete eine Reihe von Veröffentlichungen ein, die rückblickend als Berlin-Trilogie bezeichnet werden: PURE VERNUNFT…, KAPITULATION (2007) und SCHALL & WAHN (2010).
Das „rote Album“ (2015) markierte eine erneute Vereinfachung des Sounds, während DIE UNENDLICHKEIT (2018) autobiografische Elemente stärker einbezog. Während der COVID-19-Pandemie erschien 2020 der Song „Hoffnung“, der Erfahrungen von Isolation und Vereinzelung thematisierte. Das Album NIE WIEDER KRIEG (2021) knüpfte daran an und verhandelte Themen wie Verletzlichkeit, Heilung und Gemeinschaft.
Mit GOLDEN YEARS (2025) setzte die Band diese Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Fragen fort. Das Album behandelt Motive wie Altern, Zeit, Erinnerung und Zukunftserwartung, ohne den politischen und reflektierenden Anspruch früherer Werke aufzugeben. Tocotronic bleibt dabei erkennbar, zugleich ist eine kontinuierliche Verschiebung der musikalischen Mittel festzustellen – von reduziertem Indie-Rock bis zu komplexeren Arrangements.
Tourtermine 2026
Im Sommer und Frühherbst 2026 ist Tocotronic mit mehreren Open-Air-Terminen im deutschsprachigen Raum unterwegs – präsentiert vom „Musikexpress“ und „Rolling Stone“. Die bislang bestätigten Daten im Überblick:
03.07. Immenstadt – Immenstädter Sommer
04.07. Karlsruhe – Zeltival
13.08. Schwerin – Schloss Schwerin
14.08. Bad Zwischenahn – Park der Gärten
26.08. Linz (AT) – Frischlift Open Air
27.08. Wien (AT) – Arena Open Air
28.08. Dresden – Tante Ju Open Air
04.09. Potsdam – Waschhaus Open Air
Die Konzerte knüpfen an das aktuelle Album an und dürften zugleich Material aus verschiedenen Phasen des Bandkatalogs berücksichtigen. Tocotronic verfügen inzwischen über ein Repertoire, das mehrere Generationen von Hörer:innen begleitet hat und sich durch wiederkehrende Motive, Selbstbefragungen und stilistische Verschiebungen auszeichnet. Ihre Tour fügt diesem Werk einen weiteren Abschnitt hinzu, der die Entwicklung der Band im Live-Kontext fortschreibt.





