Bonnie „Prince“ Billy
WE ARE TOGETHER AGAIN
Domino (VÖ: 6.3.)
Die Americana des großen Singer/Songwriters ist mal wieder zum Weinen schön.
Wenn zu beweisen wäre, dass Musik einen zum Weinen bringen kann, wäre „Why Is The Lion?“ ein guter Anfang. Bonnie „Prince“ Billy singt vom Löwen, der da draußen lauert, und der Hoffnung auf die Rückkehr des Lamas, er singt von einer Beziehung oder doch von dieser hoffnungslosen Welt, sicher singt er von Wildblumen und vom Singen, von der eigenen Stimme und von der Hoffnung, die nicht sterben darf, und wenn zum Schluss des Songs die Flöte in ihrem Solo ganz schrecklich windschief wird, dann – ich geb’s gern zu – musste ich eine Träne verdrücken. Das Wunder, das dann, nach diesem ersten Song von WE ARE TOGETHER AGAIN passiert, ist, dass es nicht viel trauriger, aber fast noch schöner wird.
So schön wie auf den allermeisten Alben von Will Oldham, und was ich damit sagen will: Wer Oldham nicht mag, der wird auch von diesem neuen Album nicht überzeugt werden. Aber wer ihn mag, der wird WE ARE TOGETHER AGAIN mindestens genauso lieben wie sein bislang liebstes Lieblingsalbum aus dem Palace/Bonnie-„Prince“-Billy-Kosmos. Denn natürlich wird diese ganz spezielle Form von Americana nicht mehr neu erfunden, aber sie wird eben auch mehr als bloß verwaltet, Oldham fasst immer wieder neu ins Herz.
Niemand feiert so bewegend Familienleben und Freundschaft („The Children Are Sick“), und niemand singt so lakonisch und zugleich herzergreifend von Depressionen, davon, wie es ist, „die Tage in Dunkelheit und die Nächte als Freund der Angst zu verbringen“, aber wenn man Glück hat, gibt es einen Joe, der einem sagt, dass man okay ist („(Everybody’s Got A) Friend Named Joe“). Doch diesmal geht die Traurigkeit tiefer, in „Life Is Scary Horses“ verabschiedet Oldham gleich die ganze Menschheit: „The human times have come and gone / We must accept our rule is done.“ Was bleibt, ist die Liebe: „Though love is sown and will live on.“ Die große, großartige Kunst von Will Oldham ist es, diese Hoffnung nicht bloß schal klingen zu lassen.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



