a-ha-Klassiker: Wie MINOR EARTH, MAJOR SKY die Band neu erfand

7 Jahre Pause, dann das perfekte Comeback: MINOR EARTH, MAJOR SKY machte a-ha 2000 zur Popband für Erwachsene. Die Anniversary Edition zeigt, warum das Album Maßstäbe setzte.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass Morten Harket unter Parkinson leidet. Ob er weiter singen könne, fragt ihn der Journalist, den Harket eingeladen hat, um über die Krankheit zu sprechen. Seine Antwort: „Ich weiß es wirklich nicht. Ich fühle mich aber nicht nach Singen, und das ist für mich ein Zeichen.“ Ob also auf TRUE NORTH von 2022 jemals ein neues a-ha-Album folgen wird? Ungewiss. Was der Band und ihren Fans niemand nehmen kann: das zu feiern, was das Trio geleistet hat. Jetzt zum Beispiel den 25. Geburtstag von MINOR EARTH, MAJOR SKY.

Für a-ha ist diese Platte aus dem Jahr 2000 ähnlich wichtig wie das Debüt HUNTING HIGH AND LOW 15 Jahre zuvor. In den Neunzigerjahren ist es Morten Harket, Magne Furuholmen und Pål Waaktaar nicht gelungen, ihren 80s-Pop zwischen Teenage-Mania und Sophisticated-Anspruch in die Welt der erwachsenen Hörerschaft zu transferieren. Das Album MEMORIAL BEACH aus dem Jahr 1993 zum Beispiel ist gar nicht übel, versumpft in den Läden aber wegen seiner amerikanisch geprägten, blutroten Ästhetik: Die Popwelt hat Bock auf Lärm und Frische, da wirkt die Familienaufstellungsschwermut von Songs wie „Between Your Mama And Yourself“ fehl am Platz.

Sieben Jahre lassen sich a-ha Zeit für das Album danach. Für eine Popband eine irre lange Zeit, in der eine ganze Generation an Hörer:innen verloren geht. Mit MINOR EARTH, MAJOR SKY sammeln a-ha sie alle wieder ein. Europa wird 2000 von Teenie-Pop und den banalsten Auslegern von Eurodance dominiert. Da wirken Songs wie das Titelstück des Albums oder „Summer Moved On“ mit seinen Radiohead-Harmonien geradezu komplex. Dennoch laufen sie im Radio.

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Sie sind einfach zu gut, um ignoriert zu werden. Geschrieben hat die Band viele der Songs des Albums bereits Mitte der Neunziger, doch ließen a-ha sie danach erst einmal liegen. Sogar die Auflösung der Band steht im Raum, bis das Trio 1998 vom Nobelpreis-Komitee eingeladen wird, bei der Verleihung des Friedenspreises zu spielen – den damals John Hume und David Trimble für ihren Einfluss auf den Friedensprozess in Nordirland erhalten. Bei der Performance erlebt „Summer Moved On“ seine Premiere, und jedem, der den Auftritt sieht, wird klar: Diese Rückkehr wird groß.

Und so kommt es dann auch. Mit MINOR EARTH, MAJOR SKY startet die zweite Karrierephase von a-ha als Popband, die Nostalgie bedient, aber zeitgleich weiterhin glänzende neue Alben veröffentlicht.

Die Ausgabe zum 25. Geburtstag von MINOR EARTH, MAJOR SKY erhält als Bonus vier Live-Songs, aufgenommen 2001 in Oslo. a-ha klingen hier wie die Ingolstädter Slut in ihrer poppigsten Phase, um mit „Velvet“ den Song zu spielen, der Chris Martin wohl bis heute vor Neid erblassen lässt.

Viereinhalb Sterne