Kevin Spaceys Comeback: Wer hinter dem Film steckt, den er in Berlin vorstellte

Die Finanzierung von „Holiguards Saga: The Portal of Force“ wirft Fragen auf.

Jahrzehntelang gehörte Kevin Spacey aufgrund seiner Hauptrollen in zum Beispiel „American Beauty“ und auch „House of Cards“ zu der gefeierten Hollywood-Schauspieler:innenriege. Doch dann kam dem Karriereeinbruch infolge von zahlreichen Belästigungsvorwürfen im Herbst 2017. Spacey wurde aus laufenden Produktionen entfernt, Verträge aufgelöst, seine Karriere kam zum Erliegen. Nun versucht der zweifache Oscar-Preisträger sein Comeback – mit einem Sci-Fi-Film, dessen Hintergründe Fragen aufwerfen.

Vorwürfe, Freisprüche – und ein neuer Prozess am Horizont

Die juristischen Konsequenzen folgten auf dem Fuß. In den USA wurde Kevin Spacey 2018 wegen eines Vorfalls in Massachusetts angeklagt, der angeblich im Jahr 2016 stattgefunden haben soll. Der Fall wurde 2019 fallen gelassen, nachdem der Kläger von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte. Ein zivilrechtliches Verfahren in New York, in dem ihm ein damals Minderjähriger sexuellen Missbrauch vorwarf, endete 2023 ebenfalls ohne Verurteilung – die Klage wurde abgewiesen.

In Großbritannien stellte sich die Situation umfangreicher dar. Die Londoner Metropolitan Police ermittelte jahrelang gegen Spacey, der von 2004 bis 2015 künstlerischer Leiter des Old Vic Theatre gewesen war. Im Juni 2023 begann vor dem Southwark Crown Court in London ein Strafprozess, in dem der Mime der sexuellen Nötigung in zwölf Fällen angeklagt war – die Vorwürfe bezogen sich auf Vorfälle zwischen 2001 und 2013. Spacey plädierte in allen Punkten auf nicht schuldig. Im Juli 2023 sprach ihn die Jury in sämtlichen Anklagepunkten frei.

Spacey selbst betonte nach dem Freispruch, er hoffe auf eine Rückkehr ins Filmgeschäft. Die juristischen Auseinandersetzungen hatten ihn jedoch nach eigenen Angaben finanziell ruiniert. Mehrfach äußerte er sich besorgt über seine wirtschaftliche Situation – darunter auch über sein Haus in Baltimore, das er verkaufen musste, um Anwaltskosten und andere Verbindlichkeiten zu begleichen. In Interviews beschrieb er die Jahre der Verfahren als persönlich und finanziell zermürbend.

Trotz der Freisprüche ist die juristische Geschichte noch nicht abgeschlossen. Für Oktober 2026 ist in London ein weiteres Verfahren angesetzt, in dem Kevin Spacey mit neuen zivilrechtlichen Forderungen konfrontiert werden soll. Strafrechtlich ist er nicht verurteilt – dennoch kämpft er weiterhin an juristischen und finanziellen Fronten.

Ein neuer Film – und ein Produzent mit Vorstrafe

Derzeit konzentriert sich Spacey auf sein künstlerisches Comeback. Sein neues Projekt trägt den Titel „Holiguards Saga: The Portal of Force“, angeblich der Auftakt einer geplanten Sci-Fi-Trilogie. Kevin Spacey übernimmt darin nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch Regie. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft, in der zwei rivalisierende Gruppen mythischer Wesen um die Kontrolle über die Menschheit kämpfen. An seiner Seite: Dolph Lundgren.

Produziert wurde das Werk laut „Bilde“ von der aus der Ukraine stammenden und in Portugal wohnhaften Elvira Paterson. Ihre Firma, die Elledgy Media Group, organisierte neben dem Film auch internationale Events, auf denen für Produkte eines gewissen Vladimir Okhotnikov geworben wurde. Okhotnikov, in der Filmcrew als Drehbuchautor und Darsteller geführt, ist unter dem Pseudonym „Lando“ bekannt und betreibt nach eigenen Angaben ein Kryptowährungs-Unternehmen. Das US-Justizministerium wirft ihm und drei Mitangeklagten vor, ein globales Schneeballsystem betrieben und Tausende Anleger um insgesamt rund 340 Millionen US-Dollar geschädigt zu haben. Die Höchststrafe in diesem Verfahren beträgt 20 Jahre Haft. Ein Gericht in Georgien verurteilte Okhotnikov 2024 bereits zu zehn Jahren Gefängnis wegen vergleichbarer Delikte. Seither hält er sich in Dubai auf, von wo aus er weiter operiert. Spacey reiste eigens in die Vereinigten Arabischen Emirate, damit Okhotnikov an den Dreharbeiten teilnehmen konnte.

Ermittlungen gegen die Produzentin – Premiere kurzfristig verlegt

Nicht nur Okhotnikov steht unter juristischem Druck. Auch gegen Produzentin Elvira Paterson ermitteln portugiesische Behörden. Auslöser waren laut „Bild“ auffällige Kontobewegungen, darunter eine Bareinzahlung in Höhe von 312.000 US-Dollar. Der Verdacht: Geldwäsche. Die ursprünglich für den 20. Dezember in Lissabon geplante Weltpremiere von „Holiguards Saga: The Portal of Force“ wurde nach Bekanntwerden der Ermittlungen abgesagt. Okhotnikov bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Premiere in Berlin – im Windschatten der Berlinale

Stattdessen fand die Premiere Mitte Februar in Berlin statt – in der Astor Film Lounge. Der Zeitpunkt war smart gewählt: Die Berlinale fand parallel dazu statt. Eine offizielle Verbindung zum Festival besteht allerdings nicht. Im Anschluss an die Premiere nahm Spacey noch an der Gala von Cinema for Peace im Hotel Adlon teil.