Voodoo Jürgens
GSCHNAS
Lotterlabel/Sony (VÖ: 20.3.)
Der Wiener Liedermacher ist nun endgültig der wienerischste aller Wiener Liedermacher.
Treffen sich zwei Typen auf der Straße, wissen nur, dass sie sich kennen, aber nicht so genau, wer sie sind, und reden eine Weile ein bisserl aneinander vorbei, „Da Dings“ und der andere, und am Ende macht Voodoo Jürgens aus dieser Nichtigkeit einen Song, zu dem der Background-Chor dermaßen ausgiebig uhuht, dass sich Roy Orbison wohlig im Grab räkelt. Zum vierten Mal schickt David Öllerer, der mittlerweile auch als Schauspieler reüssiert, seine Kunstfigur Voodoo Jürgens hinaus in die Welt, um dann doch nur in den eigenen Abgründen zu landen. Mit jedem Album wurde diese Kunstfigur deutlicher umrissen, mit GSCHNAS ist sie nun vollständig ausgeformt.
Was vorher oft tastend und verquer war, ist heute selbstsicherer und geradeaus, aus Ludwig Hirsch ist jetzt Wolfgang Ambros geworden, aus einem klapprigen Stuhl vom Flohmarkt ein eleganter Ledersessel, und „Vaschwindn“ ist fast schon ein aufbrausendes „Born To Run“. In „De an und de aundan“ liegen allerdings schon wieder Scherben auf der Straße, denn das Leben ist gefährlich, aber Scherben bringen eben auch Glück, und diese Dosis Dialektik ist für einen Wiener noch die kleinste Übung: „Du kannst alles vergessen, aber nicht alles verzeihen.“ Eine sehr wienerische Philosophie, die schon im Albumtitel angelegt ist: Gnasch ist Plunder, wertloser Kram, steht aber auch für einen Maskenball.
Öllerer erweist der Schlaflosigkeit die Ehre („Ka Ruah“), schickt „Kassiber“ an eine verlorene Liebe und schmiedet grandiose Metaphern wie die vom Selbstzweifel, der wie selbstgebrannter Schnaps ist („Da Zweifl“). Voodoo Jürgens feiert die Grandiosität in der Belanglosigkeit und ist nun endgültig der wienerischste aller Wiener Liedermacher, er versinkt stilsicher im Selbstmitleid, aber niemals im Klischee.



