Christian Ulmen: Deepfakes und Strafrecht in Deutschland im Fokus
Die aktuelle Klage wurde auf Mallorca eingereicht. Aber bereits 2024 klagte Collien Fernandes gegen „Unbekannt“ in Deutschland.
Der Filmproduzent und Schauspieler Christian Ulmen sieht sich derzeit schweren Vorwürfen gegenüber. Über Jahre hinweg soll er laut Anschuldigungen seiner Ex-Frau Collien Fernandes gefälschte sexuelle Inhalte von ihr erstellt und an andere Männer weitergegeben haben. Der Anklage von ihr zieht Diskussionen über eine strafrechtlich relevante neue Form des digitalen sexuellen Missbrauchs nach sich. Auf der Insel Mallorca laufen bereits Ermittlungen gegen den Schauspieler. Wie ist allerdings der Stand der Dinge in Deutschland? Nun scheint es, als würde auch hierzulande Bewegung in entsprechende Investigationen kommen.
Verfahren aus dem Jahr 2024 wird nun wieder relevant
Auf Mallorca wird seit dem 2. Dezember 2025 gegen Christian Ulmen ermittelt. Dazu ist allerdings nicht viel bekannt – die Ermittlungsakten werden derzeit noch unter Verschluss gehalten. Der Stand in Deutschland ist ein anderer: Hierzulande spielte sich schon seit dem Jahr 2024 eine Verfahrens-Saga ab, die nun wieder zum Leben erweckt werden könnte. Aber zum Verständnis: Die Verfahren in Spanien und Deutschland laufen unabhängig voneinander und wirken sich nicht aufeinander aus.
Collien Fernandes erstattete bereits im November 2024 Anzeige bei der Berliner Polizei wegen Deepfakes, welche von ihr im Umlauf waren. In diesem Zuge übergab sie dem Landeskriminalamt Unterlagen, woraufhin Untersuchungen eingeleitet wurden. Aufgrund des Wohnsitzes der Schauspielerin in Itzehoe bei Hamburg wurde das Verfahren gegen „Unbekannt“ im Januar 2025 nach Schleswig-Holstein abgegeben und dort weiterbearbeitet. Der zuständige Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow bestätigte dies gegenüber „Bild“: „Der Anzeigenden sind die Vorgänge innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs bekannt geworden!“
Einstellung wegen Ausbleiben von Mithilfe? Collien Fernandes widerspricht
Die ARD-Journalistin Iris Sayram postete am Montag, 23. März 2026, auf X über ebendiese Ermittlungen im Fall Fernandes. Hierzu schrieb sie: „Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft in Itzehoe sei dort eine Anzeige der Geschädigten bearbeitet worden. Es seien weitere Unterlagen erbeten worden. Das sei unterblieben. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren vorläufig eingestellt, weil es keine Ermittlungsansätze gegeben habe. An fehlenden Gesetzen scheint das nicht gelegen zu haben.“
Laut einer Recherche der „Bild“-Zeitung habe sich die Kriminalpolizei damals an Collien Fernandes gewandt und weitere Unterlagen erbeten. Laut Peter Müller-Rakow blieb diese Mithilfe jedoch aus. Er erklärte: „Für uns reichte das in Berlin von der mutmaßlichen Geschädigten nicht aus, deswegen haben wir die Kriminalpolizei beauftragt, weitere Unterlagen anzufordern. Eine Antwort hierauf erfolgte jedoch nicht.“
Genau dieser Erklärung widersprach die Moderatorin auf „Bild“-Nachfrage allerdings. Sie äußerte sich: „Das stimmt nicht!“ Es habe sich „nie jemand von der Polizeibehörde in Schleswig-Holstein mit mir in Verbindung gesetzt.“ Sie betonte zudem, dass sie, als der Fall noch in Berlin lag, sich proaktiv nach dem Ermittlungsstand erkundigt habe. In der Folge sei sie nach Schleswig-Holstein verwiesen worden, habe dort jedoch nicht gewusst, an wen sie sich hätte wenden können. Ihre Anwältin bestätigte dasselbe. Im Januar 2025 wurde das Verfahren eingestellt.
Wiederaufnahme durch weitere Unterlagen?
Etwas weniger als ein Jahr lag der Fall nun bei den Akten. Durch die Veröffentlichung der Vorwürfe am Donnerstag, dem 19. März 2026, könnte nun wieder Bewegung in das Verfahren kommen. Vertreter von Collien Fernandes hätten sich bereits gemeldet, um Akteneinsicht zu erhalten – laut Peter Müller-Rakow gegenüber „Bild“ sei „dies derzeit in Bearbeitung“. Er stellte zudem klar, dass das Verfahren jederzeit wieder aufgenommen und um Tatvorwürfe – sowohl seitens der Klägerin als auch seitens der Staatsanwaltschaft – erweitert werden könne.
Darüber hinaus gab die Kieler Staatsanwaltschaft ebenfalls gegenüber „Bild“ bekannt, dass derzeit geprüft werde, wie sich ein zügig eingeführtes Gesetz gegen Deepfakes auf die Ermittlungen auswirken könnte.




