Beastie Boys
TO THE 5 BOROUGHS (DELUXE EDITION)
Universal (VÖ: 17.4.)
Dünne Liebeserklärung an die Heimatstadt der HipHop-Avantgardisten.
Das sechste Album des einst revolutionären HipHop-Trios hört sich so an wie es aussieht: musikalisch skelettiert, Schwarzweiß-Denken in den Lyrics. Zwar klang nach den kunterbunten Vorgängern ILL COMMUNICATION und HELLO NASTY, auf denen Hardcore-Punk auf Salsa, Disco auf Dub traf, 2004 die Back-to-Basics-Zielvorgabe schlüssig — three MC’s and one DJ. Doch allein „Triple Trouble“ verfolgt diesen Ansatz mit dem Holzhammer und bedient sich ausgiebig am ersten HipHop-Hit der Geschichte, „Rapper’s Delight“ von der Sugarhill Gang. Von einer Band, die zu einer Sample-Orgie wie PAUL’S BOUTIQUE im Stande war, hätte man erwartet, deeper zu diggen. Was für eine Wohltat dagegen Graham Coxons funky Bearbeitung des Tracks auf der die neue Deluxe Edition des Albums abrundenden Disc mit elf B-Seiten und Remixes!
Auch war man davon ausgegangen, dass diese quintessenzielle New Yorker Band kurz nach 9/11 etwas Profundes, Erhellendes zum Stadttrauma zu sagen hätte und das RapÄquivalent zu Springsteens „The Rising“ liefern würde. Doch „An Open Letter To NYC“ ergeht sich in Oberflächlichkeiten, wirkt wie eine stichpunktartige Tagestrip-Empfehlung für die Metropole auf Instagram (passend dazu bietet die Reissue die Lithografie einer U-Bahn-Karte). Der heraufbeschworene Spirit der City in Zeilen wie „Home to the many, rejecting no one / Accepting peoples of all places, wherever they’re from“ verblüfft mit seiner Naivität.
Der Big Apple mag vieles sein, aber er fällt gewiss nicht vom Baum auf einer Hippie-Wiese von Woodstock nebenan. Auch die Kritik am damaligen US-Regierungschef George W. Bush, „We’ve got a president we didn’t elect / The Kyoto treaty he decided to neglect“, wirkt wie in einer liberal geführten HipHop-AG an einer Highschool erdacht. Letztlich zündet die „Simplify your song“- Idee nur in der Leadsingle mit ihrem kurzen Bläsersample aus Peggy Lees Version von „(Sittin’ On) The Dock Of The Bay“ – wenn man vom antiklimatischen Banal-Refrain absieht. Nach ihren Glanzlichtern der Achtziger und Neunziger schien die Gruppe ausgebrannt und sollte im 21. Jahrhundert keine großen Spuren mehr hinterlassen.






