Muna – „DANCING ON THE WALL“: Euphorie, die an der Wand zerschellt
Kantig, aber mit Hang zur großen Geste: Die Kalifornier:innen präzisieren ihren Pop.
„I’m dancing on the wall when I’m with you“. Das singen Muna im Titeltrack ihres vierten Albums DANCING ON THE WALL. Wer jetzt an Lionel Richie und seinen Tanz an der Decke denkt, liegt gleichzeitig goldrichtig – und falsch. Denn einerseits ist auch das, was die Kalifornier:innen da anstellen, im höchsten Maße eingängig. Doch wo bei Richie die pure Euphorie regiert, kippt sie hier ins Leere, wird zum taumelnden Zustand zwischen Anziehung und Ausgeschlossenheit. „On the wall“ heißt eben nicht, die Schwerkraft zu überwinden, sondern an der Wand abzuprallen.
Damit: Wilkommen in der Welt von Muna. Seit bald zehn Jahren stehen sie für Popsongs, die aus dem (Synth-)Pop der 80er – und 90er-Jahre schöpfen, werden dabei aber nie zu Kopist:innen. Vor alle aber stehen sie für eine – nicht nur queere – Gegenkultur, sind Verstärker und Korrektiv zugleich. Bedeutet: Sie singen von Lebensrealitäten, in denen es um komplexe Beziehungsdynamiken geht und um ein Land, das längst in Trümmern liegt.
Auch musikalisch prallt einiges aufeinander. Zwar sind die Refrains immer noch groß, jonglieren die Vocals immer noch wunderbar mit der Melodie an sich. Gleichzeitig werden aber mehr Bruch- und Leerstellen zugelassen, erlauben sich Muna verstärkt Muster aus der elektronischen Musik. Das ergibt unbedingt Sinn, nachzuhören etwa im abschließenden „Buzzkiller“, wo ein stoischer Maschinenbeat mit ordentlich Verzweiflung belegt wird. Am Ende weinen kurz die Geigen. Wir weinen mit.