Modest Mouse – AN ERASER AND A MAZE: 30 Jahre, ein Gründer
Die Indie-Veteranen geben sich abgeklärt und süffig zugleich.
Er sei ein Pilot, singt Isaac Brock in „Picking Dragons‘ Pockets“, dem Opener dieses Albums. Da ist schon ein bisschen was dran, denn Modest Mouse bewahrten immer den Überblick, navigierten geschickt durch die verschiedenen Epochen des Indie-Zeitalters. In den über 30 Bandjahren passierte eine Menge, so gehörten die Amerikaner dank ihres Hits „Float On“ eine Zeitlang zum kulturellen Kanon der „O.C. California“-sozialisierten Millennials, ein paar Jahre war zudem Johnny Marr Teil des Lineups.
Nach dem Tod von Drummer Jeremiah Green ist Brock das einzig verbliebende Gründungsmitglied, und in ein paar Momenten meint man diese lange Reise zu hören. Nicht, dass Brock erschöpft klingen würde, eher verströmen die Songs eine gewisse Abgeklärtheit. „Life’s A Dream“ heißt einer der schönsten, er kommt mit einem Chor und verhallten Gitarrenschleifen und klingt nach einem Raum, in dessen vier Ecken die unterschiedlichsten Menschen die unterschiedlichsten Melodien spielen, sich aber immer wieder irgendwo treffen.
Das „Dogbed In Heaven“ schaukelt sich als windschiefer Shanty und voll Backgroundbrummen durch allerhand Endlichkeitsgedanken. An anderer Stelle, etwa in „Rotten Fruit“, schleicht sich eine gewisse Unruhe ein, die indes so geschickt rhythmisiert ist, dass man trotzdem sofort zu ihr tanzen möchte. Gegen Ende gibt’s noch den „Song About Nothing“. „Sing along!“, brüllt uns hier ein exaltierter Brock ins Gesicht. So was befiehlt man eigentlich eher, wenn die Zuhörenden das Material bereits kennen. Doch auch wenn die Dringlichkeit der alten Alben nicht immer erreicht wird, öffnen diese neuen Lieder eine Tür, durch die man gerne tritt.