Lizzo – BITCH: Bitterkeit mit Banger-Garantie

Ist der Ruf erst ruiniert, wird er ungeniert in Pop-Rap verarbeitet.

Sie war Postergirl der Body-Positivity-Bewegung, galt als Erbin von Prince (mit dem sie am Anfang ihrer Karriere zusammenarbeitete), verband Comedy, gute Laune, positive Stimmung, Rap und Pop und Querflöte zu einem Ganzen, das unwiderstehlich war. Und dann, na ja, dann ist da irgendwie was schiefgegangen. Ihre Backup-Tänzer:innen und Teile ihres Teams warfen ihr 2023 vor, mindestens nicht sehr nett zu sein im Umgang mit ihren Mitarbeitenden, es war sogar die Rede von sexualisierten Übergriffen, Diskriminierung, Fatshaming.

Was genau passiert war und wer recht hatte, wurde irgendwann diffus. Zwar wurden die meisten Klagen abgewiesen, aber ein paar blieben doch hängen. Und der Ruf, dass da irgendwas nicht ganz in Ordnung war, sowieso. Was dann auch den Titel ihres neuen Album erklärt: Ist sie die BITCH? Oder alle, die ihr gegenüber – in ihren Augen – ungerecht waren? Irgendwie ist es: beides.

Das beginnt beim Opener „A Toast“, geht über den Titelsong (mit Alanis-Morissette-Referenz!) und endet bei „Too Nice“ oder „Like A Crime“ noch lange nicht. ­Lizzo ist bitter, und sie macht keinen Hehl daraus, auch wenn sie zwischen solchen Songs die üblichen Lizzo-Banger über vertrauensunwürdige Macker und Self-Empowerment unterbringt. Klingt das gut? Natürlich, Lizzo bleibt trotzdem eine fantastische Songwriterin und Performerin großer Popnummern. Aber ein seltsames Gefühl hinterlässt BITCH dann doch.

Aida Baghernejad schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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