Kelsey Lu – SO HELP ME GOD: Cello gegen Dystopie
Unter der soften Ambient-Art-Pop-Overfläche blubbert eine dystopische Düsternis.
Wenn man wie Kelsey Lu mit Eltern, die strenge Zeugen Jehovas sind, aufwächst und schon mit acht Jahren beginnt, eigene Musik zu schreiben, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man beugt sich dem Leben, das dir vorgelebt wird, oder man bricht aus. Lu entschied sich für Variante zwei und flüchtete als 18-Jährige nach New York. Musik, Performancekunst, Film – alles wurde auf- und eingesaugt und manifestierte sich später im gefeierten Debüt BLOOD, dem Score zur BAFTA-nominierten Doku „Earth Mama“ und der prämierten Netflix-Doku „Daughters“ sowie der Zusammenarbeit mit Künstler:Innen von Skrillex bis Blood Orange.
Nun, sieben Jahre nach BLOOD, erforscht Lu mit SO HELP ME GOD neue Klanglandschaften zwischen cineastischen, jazzig-fließenden Tracks und dräuend-grollenden Ambientflächen. Trotz vordergründiger Softness blubbert stets eine dystopische Düsternis unter der Oberfläche: verhallender Donner, statisches Summen, Feedbackflächen oder plötzlich einsetzende Technobeats („American Sonnet“).
Darüber schwebt engelsgleich Kelsey Lus klare Stimme, meist untermalt von ihrem Signaturinstrument, dem Cello. Unterstützt wird sie dabei von Gästen wie Indie-Übermutter Kim Gordon oder dem britischen R’n’B-Mercury-Prize-Gewinner Sampha.