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Album der Woche

Kelsey Lu Blood


Columbia/Sony Music (VÖ 19.4.)

Man wird Kelsey Lu nicht vollumfänglich gerecht, wenn man ihre Geschichte darauf reduziert, mit wem sie schon alles zusammengearbeitet hat. Da aber das Droppen von big names für Viele zu einer Art Bemessungsgrundlage für den künstlerischen Wert geworden ist, lassen wir uns das dann doch nicht nehmen: Lady Gaga, Kelela, Solange, Blood Orange, Father John Misty und für noch ein paar mehr hat die Sängerin, Songwriterin und Cellistin im Studio gearbeitet.

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Dabei ist Kelsey Lu eine Künstlerin von eigenem Recht. Als sie vor drei Jahren nicht nur in der Begleitband von Sampha aufgetreten ist, sondern auch in seinem Vorprogramm, nur mit Cello und Loop-Station, war das besser als das Hauptprogramm. Ihre „Church“-EP war damals schon erschienen, ein musikalischer Solitär, der das Versprechen von einer neuartigen, anderen Popmusik abgegeben hatte, das nun vom Debüt-Album BLOOD gehalten wird.

Als klassisch ausgebildete Cellistin aus einem musikalischen Elternhaus (Mutter Pianistin, Vater Percussionist in einer Jazz-Funk-Band) kommt vieles zusammen in ihrer Musik und geht neue Verbindungen ein auf dem Album. Oft zeigt sich ein eigentümliches Folk-Gefühl, circa Großbritannien späte 60er Jahre, manchmal tendiert das Ambiente zur Kammermusik. Die elektronischen Grundierungen sind verhalten-minimalistisch, während das Cello der Melancholie, den Zweifeln und berechtigten Fragen, die Kelsey Lu in ihren Texten formuliert, eine musikalische Stimme verleiht.

Gesanglich phrasiert Kelsey Lu manchmal jazzy wie Joni Mitchell, dann wiederum wie eine klassische Soulsängerin. Die beiden Tracks, die Jamie xx produziert hat („Why Knock For You“ und „Foreign Car“), setzen den Dream-Pop aus dem Wunderland auf ein organisches Elektronikfundament. Und es ehrt Kelsey Lu, dass sie ihre Version des 1975er Monsterhits „I’m Not In Love“ von 10cc nicht mit der Brechstange auf Originalität zurechtbiegt. Sie folgt dem Original mit dezenter Ambience im Hintergrund.

Kelsey Lus neues Album „BLOOD“ hier im Stream hören:


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