Horse Lords – DEMAND TO BE TAKEN TO HEAVEN ALIVE!: Auto-Tune trifft Sacred Harp
Gewohnt gehobene Klangarchitektur von einer Experimental-Rock-Institution.
Eine Tonhöhenkorrektur im Stile von Auto-Tune wäre nicht unbedingt der Kniff gewesen, den man den Horse Lords zuschreiben möchte. Durch das 57 Sekunden kurze Album-Intro zieht sich ein so künstlich wie sakral anmutender Chorgesang, den zwei frisch engagierte Vokalistinnen verantworten. Es entsteht ein Stimmbild, das bald von Flötentönen aufgemischt wird, die aus einem brasilianischen Folksong hätten stammen können.
Der Einstieg setzt aber das in Klang, was die ursprüngliuch aus Baltimore stammende Experimental-Rock-Band stets zu leisten in der Lage ist, sie überrascht mit Forschungs- und Transformationsmusiken, die eine wachsende Hörerschaft konsequent herauszufordern weiß. Das geschieht bei vielen Tracks auf DEMAND TO BE TAKEN TO HEAVEN ALIVE! über plötzliche Entwicklungsschritte, Elemente der verfremdeten Sacred-Harp-und-Flöten-Musik tauchen in Form von Kleinstschnipseln an anderen Stellen des Albums noch einmal auf, Math-Rock-Cluster verknäueln sich mit serieller Musik, Grooves titschen geradezu durch scharfkantige Soundkorridore, der Titeltrack fasst alles zum Finale wie in einer Suite noch einmal auf achteinhalb Minuten zusammen.
Die Songs der Amerikaner sind anders als die frühen, in den 2010ern erstellten Aufnahmen entstanden. Die vier Bandmitglieder Owen Gardner (Gitarre), Max Eilbacher (Bass), Andrew Bernstein (Altsaxofon/Percussion) und Sam Haberman (Drums) wohnen inzwischen in unterschiedlichen Städten, die drei Erstgenannten trafen sich in Berlin zu den Sessions fürs Album, während Haberman in Baltimore seine Drum-Parts entwickelte. Bleibt alles anders in der Liga für gehobene Klangarchitektur.