Horse Lords Comradely Objects


RVNG Intl./Cargo (VÖ: 4.11.)

von

Die COMRADELY OBJECTS im Albumtitel berufen sich auf eine Studie zum Design des russischen Konstruktivismus, die die Historikerin Christina Kiaer vor knapp 15 Jahren veröffentlicht hat. Die von den Horse Lords hier vorgestellten Objekte oder Arbeiten sollen kollektive und egalitäre Ideale im Sinne der Konstruktivisten unterstützen, es gehe ihr um den intensiven Umgang mit Material, so drückt es die Band aus.

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Auf ihrem fünften Longplayer, der nach einer längeren Live-Strecke im Proberaum in Baltimore entstanden ist, befördern die Amerikaner Ideen der russischen Avantgarde gewissermaßen in ein Rock-Schema. Die Horse Lords spielen im klassischen Rock-Format, nur dass ein Saxofon den Gesang ersetzt und die Elektronik den Ton im Drone angibt. COMRADELY OJECTS, ein Tempel der Abstraktion und Textur-Diskurse für ein akademisches Publikum? Vom ersten Moment an gibt die Band ihren Tracks aber auch einen rhythmischen Drive, der diese Musik ganz woanders hin zu katapultieren vermag.

Das 14-sekündige Keyboard-Intro auf „Mess Mend“ paraphrasiert den Einstieg, den die Happy Mondays für ihren Rave-Hit „Step On“ wählten, im Laufe der nächsten vier Minuten verknäulen die Horse Lords ihre Klangelemente in einem ekstatischen Tanz mit Afrobeat Referenzen – bis die Elektronik die Gitarren zum Finale hin verschluckt. In dieser Dynamik gelingt momentan kaum einer anderen Band der Austausch zwischen Konstruktion und Jive – unter sehr intensiver Arbeit im Mikrotonbereich übrigens, der Lust an Mantra und an der Minimal Music. Pardon, der Griff ins Bilderbuch für Pferdeliebhaber muss hier doch mal sein: Ein fantastischer Ritt.


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