Baumgart: Der „Junge im Mond“ unterm Sternenhimmel
Zwei Konzerte an einem Tag, ein Sternenhimmel über der Bühne: Newcomer Baumgart beim Preis für Popkultur – wie sich ein Traum für den Indie-Künstler aus Hamburg anfühlt.
Wir treffen den Indie-Künstler Baumgart an einem aufregenden Tag: Gleich zwei Gigs stehen am 21. Juni für ihn an – ein Umsonst-&-draußen-Konzert im Rahmen der Fête de la Musique in Berlin und ein Auftritt beim Preis für Popkultur unter der Kuppel des Zeiss-Großplanetariums. Zwischen Open-Air-Show und Preisverleihung nimmt sich der Newcomer ein paar Minuten Zeit und kühlt sich in einem Kinosaal des Planetariums kurz mit uns von den hochsommerlichen Temperaturen ab.
Baumgart hat erst Anfang des Jahres angefangen, seine Songs zu veröffentlichen, die ihre ganz eigene Welt zwischen HipHop, Pop und Indie bauen. Genregrenzen überspringt er dabei ungeniert und leichtfüßig. Dass er heute gleich zweimal spielen darf – unter anderem vor einem Haufen Industry-People – fühlt sich für ihn surreal an: „Ich bin ja selber Fan von Leuten“ – vielleicht ist ja an diesem Abend das ein oder andere Idol vor Ort?
Der „Junge im Mond“ – unter den Sternen
Der Preis für Popkultur wird nun zum zehnten Mal vom Verein für Popkultur verliehen und wäre dieses Jahr beinahe ins Wasser gefallen. Allein durch das Engagement der Vereinsmitglieder, fleißigen Unterstützer:innen und Spender:innen konnte die Veranstaltung innerhalb weniger Wochen doch noch realisiert werden. Damit bietet er auch Baumgart als Gast-Act eine einzigartige Chance.
Für ihn passt der Auftritt wie die Faust aufs Auge: Er darf bei der Preisverleihung im Planetarium seinen Song „Junge im Mond“ spielen – astrologischer wird es kaum. Auf den Wow-Effekt der Lichtshow über der Bühne freut er sich besonders: „Ich habe den Sternenhimmel noch nicht gesehen beim Soundcheck – aber es wäre crazy, wenn da ein Sternenhimmel wäre. Es ist einfach eine abgefahrene Location. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, in einem Planetarium zu spielen?“
Eine 180-Grad-Wende in sechs Monaten
Das letzte halbe Jahr war eine 180-Grad-Wende im Leben des Künstlers aus Hamburg: Interviews, Auftritte, Promo – das alles mit bisher nur vier veröffentlichten Songs. Die Zeit sei währenddessen ein bisschen vorbeigerast. „Ich habe dieses Jahr angefangen, Songs zu releasen. Es ist unfassbar krass, dass ich hier spielen kann – es fühlt sich alles so absurd an.“
Hätte ihm jemand noch im Januar erzählt, dass er hier spielt, wäre das schwer zu glauben gewesen: „Ich glaube generell Dinge erst immer, wenn sie passieren. Vorher kann immer etwas sein, eine Absage kommen oder so. Erst wenn es passiert, dann ist es: Okay, krass, wow, jetzt stehe ich echt hier. Aber nein, wahrscheinlich hätte ich es nicht geglaubt. Ich hätte es wahrscheinlich noch nicht realisiert. Aber jetzt ist es real geworden.“ Ein Traum, der real wird – für den Jungen, der in der Schulzeit lange Außenseitertum zu kämpfen hatte, ein großartiges Gefühl: „Man hat sich das ja immer so erträumt, das machen zu können, und jetzt wird alles immer greifbarer.“
Kein Song ist wie der andere
Die Aufregungskurve gleicht heute jedenfalls einer Achterbahnfahrt. Baumgart hatte einen so durchgetakteten Tag, dass kaum Zeit für Lampenfieber blieb: „Es ist ein Auf und Ab irgendwie heute.“
Zwischen zwei Auftritten, Soundchecks und Interview dreht der Künstler noch etwas Content für seinen neuen Song „Morgen früh“, der am 19. Juni erschienen ist. Dafür springt das Energiebündel zwischen den Kinositzen umher, tanzt und singt. Er gibt zu: „Ich bin halt eine Party-Maus, das muss man ganz klar sagen.“ Seine bisherigen Songs waren im Vergleich zum neuen Release eher introspektiv und melancholisch. In seiner Musik möchte er jedoch alle Facetten zeigen: „Meine Stimme ist der rote Faden und die Musik ist die Kunst dahinter. Genauso machen es ja auch andere Bildkünstler. Ich mache auch nicht dasselbe Bild 15 Mal. Da kommt immer etwas Neues dazu. Jeder hat seine Handschrift, wie ich meine mit meiner Stimme, aber jedes Bild ist anders.“
Was man von seinen nächsten musikalischen Schritten erwarten darf, möchte Baumgart noch nicht so richtig verraten. „Man kann sich immer auf neue Musik von mir freuen, würde ich sagen. Wohin der Weg musikalisch geht – naja, ich lasse es spannend. Man kann eh nie wissen, was für ein Song kommt bei mir. Kein Song ist wie der andere.“
Ein leuchtender neuer Stern
Wir bleiben also gespannt auf die nächsten Schritte Baumgarts und darauf, nach welchen Sternen er noch greift. Bei seinem Auftritt im Planetarium darf er „Junge im Mond“ unter einer riesigen Mondprojektion spielen, sodass man gar nicht weiß, wohin mit dem Blick: auf den leuchtenden neuen Stern – den „Jungen im Mond“ auf der Bühne – oder nach oben, auf den Mond am Himmelszelt.
Für alle, die sich auch manchmal allein im Universum fühlen, hat der 22-Jährige eine bestärkende Nachricht: „Ihr seid cool, wie ihr seid. Lasst euch das von niemandem nehmen.“





