Deep Purple – SPLAT!: Rente mit Riff

Die Hard-Rock-Opas knüpfen überraschend konzentriert an die eigene klassische Phase an.

IN ROCK mit „Speed King“. MACHINE HEAD mit „Highway Star“. Die besten Alben von Deep Purple begannen mit einem Song in Höchstgeschwindigkeit. „Arrogant Boy“ ist herzinfarktschnell, wenn man bedenkt, dass der Mark-II-Kern der Band aus Ian Gillan, Ian Paice und Roger Glover auf ein Durchschnittsalter von 78 Jahren kommt. Das Tempo behalten die alten Herren nicht bei, aber SPLAT! gibt sich große Mühe, an die klassische Phase der Band anzuknüpfen.

Soll heißen: Gern entwickelt sich aus einem knackigen Riff ein zünftiger Jam. Die fallen zwar lange nicht mehr so ausgiebig aus, wie man es von Purple einst kannte, aber nicht nur in der Vorab-Single „Diablo“ darf Don Airey sich mit einer mäandernden Hammond-Meditation vor seinem seligen Vorgänger Jon Lord verbeugen. Auch Gitarren-Jung­spund Simon McBride (47) arbeitet sich immer mal an Ritchie Blackmore ab, allerdings gilt generell eine rententaugliche Songobergrenze von fünf Minuten, und Gillan versucht erst gar nicht mehr zu schreien.

Das ergibt dann konzentrierte Hard-Rock-Knaller wie „The Rider“, locker swingende Blues-Rocker wie „The Beating Of The Wings“, von der eigenen Stumpfheit überzeugte Stücke wie „Jessica’s Bra“ oder das mit einer Celtic-Folk-Stimmung infizierte „Sacred Land“. Das Ergebnis ist kein künftiger Albumklassiker, aber eine eindrückliche Erinnerung daran, dass solche Bands wie Deep Purple heutzutage nicht mehr gebaut werden.

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