Der mit dem Wolf singt

Den Trend hat er nicht verpennt: „Ethno-Pop und Weltmusik langweilen mich eigentlich“, bekennt der 41jährige Keyboorder und Alt-Rocker Manfred Mann. Als er jedoch Ende letzten Jahres auf das Liederbuch der in den frühen 20er Jahren verstorbenen US-Schriftstellerin Natalie Curtis, „The Indians Look“, stieß, mußte auch der Begründer der Manfred Manns Earthband einen Ausflug in musikalische Ethno-Gefilde wagen. Nicht gerade inaktuelles Ziel der Reise: Die indianische Ur-Bevölkerung Amerikas. „Nein“, wehrt er sich gegen den Verweis auf Costners Kino-Heuler „Der mit dem Wolf tanzt“, „mir ging es nicht darum, die inzwischen sogar von Hollywood gestreichelten Indianer musikalisch zu rehabilitieren. Werktreue oder Original-Instrumentierung interessieren mich nicht, mir haben nur die Melodien verdammt gut gefallen.“

Das Ergebnis heißt PLAINS MUSIC, ein merkwürdiges Ton-Gebilde, basierend auf der notierten Musik jener Stämme, die in den Ebenen („plains“) lebten. Eingespielt mit englischen Musikern (u.a. die Jazz-Saxophonistin Barbara Thompson) bewegen sich die Indianer-Songs denn auch eher in jenem musikalischen Niemandsland, in dem die meisten pop und zivilisations-müden New Age-Fans am liebsten ihren schweren Rotwein trinken. Manfred, der mit SOMEWHERE IN AFRICA schon einmal (vor Paul Simon) trend-settend war, berührt das wenig. Sein Wort in Manitous Ohr: „Jazz und Klassik sind in der Sackgasse, aber ein guter Pop-Song mit indianischer Melodie — das ist Kultur!“

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