Violent Femmes

Violent Femmes (1983)

65 Bei diesem Debüt kam selbst der „New Musical Express“ nicht umhin, nochmal die gute, alte „Zukunft des Rock ’n‘ Roll“ herauszukramen. Daß die ausgerechnet auf den Straßen der Biermetropole Milwaukee herumlungern sollte, hatte wohl auch Chrissie Hynde kaum vermutet. Die verpflichtete Gordon Gano, Brian Ritchie und Victor DeLorenzo vom Fleck weg fürs Pretenders-Vorprogramtn. Zukunft oder nicht — 1983 waren die Violent Femmes zweifellos die auf- und anregendste Gegenwart des Rock ’n‘ Roll. Die Drei hatten jenen gesunden Schuß juveniler Arroganz mit einer essentiell reduzierten, aber ungemein kraftvollen Folk-Punk-Country-Mixtur verbunden, in der Liebe und Haß die erste Geige spielten. Bei Gano, der seine Songs mit ebenso coolem wie enervierendem Zungenschlag zelebrierte, reimte sich Juck‘ auch ,fuck‘ („Add It Up“). Doch Zorn und Verachtung wurden hier und da auch schon mal durch eine milde Prise Ironie („Please Do Not Go“) relativiert, die mehr war als nur die stumpfe Waffe des Zynikers. Und das clevere Xylophon-Arrangement von „Gone Daddy Gone“ deutete an, daß die Violent Femmes zumindest noch für ein ebenbürtiges Folgealbum („Hallowed Ground“) gut sein würden.

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