Gary Floyd, München, Substanz


Seine ergebensten Verehrer nennen ihn „The Voice“. Nicht unbedingt, weil Gary Floyd mit einem im klassischen Sinne voluminösen oder an Oktaven reichen Organ ausgestattet wäre, Floyd ist sicherlich kein Pavarotti. Aber wenn er, rund wie er ist und mit breitgerahmter Brille sympathisch-kurios anmutend, auf der Bühne steht, wird schnell klar, warum manch hoffnungsloser Romantiker unter seinen Fans soweit geht, ihn „Gott“ zu heißen: dieser Mann ist kein Faker.

Wenn er den Blues singt, dann mit solch händeringender Inbrunst, daß man mitheulen möchte, wenn er lupenreine Country-Balladen anstimmt, steht man ergriffen da – und wenn Gary Floyd rockt, dann rockt er wie Seuche. Und danach ist ihm heute abend – seine schwindelerregend aufspielende Band im Rücken – ganz offensichtlich am meisten. So muß sie aussehen, die Rock’n’Roll-Show unserer Tage: arschkickend, herzergreifend und ohne Peinlichkeiten. Als Zugabe gibt’s einen rasenden Stakkato-Kracher: ‚Hate The Police‘ von den Erste-Stunde-Punks The Dicks. Und deren Sänger hieß damals Gary Floyd.