Nach dem Verschwinden ihres kreativen Kopfes fliegt ihnen der Erfolg nur so zu. Die Manic Street Preachers nehmen’s gelassen.

Der 1. Februar 1995 ist für die Manie Street Preachers ein schwarzer Tag- und zugleich der Geburtsstunde ihrer erfolgreichsten Ära. Diese paradoxe Situation hat das verbliebene Trio James Dean Bradfield (voc), Nicky Wire (bass) und Sean Moore (drums) auch heute noch nicht ganz abschütteln können. Schließlich verschwand an jenem Tag vor über drei Jahren mit Richey Edwards nicht nur ihr bester Freund, sondern gleichzeitig das kreative Rückgrat der Band. Der Gitarrist setzte sich in sein Auto und fuhr einfach davon. Bis heute ist sein Verschwinden unaufgeklärt. Die Manics starteten Anfang der 90er als aufstrebendes Quartett, das bereits mit ihrem ersten Album für Furore sorgte. Die einschlägigen Branchenblätter verhießen dem damaligen Quartett eine große Karriere. Doch erst nach dem Verlust von Edwards gewannen die drei Londoner reihenweise Auszeichnungen. Es hagelte Gold- und Platinplatten, und jedes Musikblatt bedachte das Trio mit einer Coverstory, allerdings nur seiner englischen Heimat. Mit den 13 Tracks ihres aktuellen Albums „This Is My Truth, Tell Me Yours“ wird sich am Stellenwert der Band hierzulande vermutlich nichts ändern. Zu brav plätschern die Melodien streckenweise dahin. In England hingegen sind die Preachers nach wie vor echte Stars. Zu diesem Status hat die Band allerdings inzwischen ein gesundes Verhältnis: „Erfolg ist wunderbar“, meint Sänger Bradfield,“aber im Gegensatz zu früher flippen wir nicht mehr aus, wenn wir uns auf einem Titelblatt sehen. Nach all den Jahren ist vieles zur Gewohnheit geworden.“ Und zumindest damit setzt das Trio sich wohltuend von großmäuligen Kollegen ab, die stets absondern, wie einzigartig sie sind.

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