Ironic?

In den Hörsälen der amerikanischen Colleges werden nicht selten Texte von Alanis Morissettes „Jagged Little Pill“-Album diskutiert. So wird den Studenten in der Englisch-Vorlesung an der University of Mississippi in diesem Semester der Unterschied zwischen „fate“ und „irony“ in der Literatur anhand von „Ironie“ näher gebracht. Um eines gleich vorwegzunehmen: Legt man eine korrekte Definition von „ironisch“ zugrunde, dann fällt lediglich eine der elf im Songtext geschilderten Episoden darunter: Es ist in hohem Maße unwahrscheinlich, bei einem Flugzeugunglück ums Leben zu kommen. So konnte tatsächlich niemand erwarten – und damit ist es die blanke Ironie -, dass „Mr. Play It Safe“, der sich sein ganzes Leben lang vor dem Fliegen gefürchtet hatte, beim ersten Mal tatsächlich abstürzt. Die restlichen Szenarios wie „rain on your wedding day“ und „a traffic jam, when you’re already late“ haben allerdings mit Ironie nichts zu tun und verdienen lediglich das Prädikat „dumm gelaufen“. Etwas ernster nimmt man Morissettes Songtexte an der University of Minnesota Duluth: Dort steht in diesem Jahr die Analyse des Songs „Perfect“ auf dem Programm. In dem Lied beschreibt Alanis aus eigener Erfahrung überzogene elterliche Ansprüche, die einem Kind das Gefühl geben können, nie zu genügen. Im Lehrplan ist nachzulesen, dass die Beschäftigung mit diesem Thema zum Verständnis des Handlungsverlaufs in J.D. Salingers „Fänger im Roggen“ beitragen soll.

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