Hallo, worum geht’s?

Die Jungen mit den Gitarren? Wir sind dagegen.

„Deutsches Liedermachertum hab’n wir, glaube ich, besiegt“, rappte Smudo vor zehn Jahren an der Schwelle zum deutschen HipHop-Dammbruch. So kann man sich täuschen. Abgesehen davon, dass auch die Fantas das goldbödige Handwerk mit anderen Mitteln über die Jahre bewahrt haben, feierte das Liedermachertum 2002 Urständ nur keine fröhlichen. Die neue Platte des Großen Mittelalten Mann des Liedermachens, Funny van Dannen, enttäuschte (leider leider], weil ihm irgendwo auf seiner Gratwanderung der hintergründige Humor abhanden gekommen ist (vielleicht hat er einmal zu oft mit den Toten Hosen zusammengearbeitet). Dafür stand plötzlich breitbeinig ein 30-jähriger „Junge“ Mit Der Gitarre im Raum, der sich mit, ähem, frecher Pennäler-Lyrik einen subversiven Anstrich gab und doch nur chartsgerecht Comedy-Versatzstücke aufbereitete – währenddessen sich die Mutter aller Jungen Mit Den Gitarren, Reinhard Mey, zum 60. mit einer schauerlichen Tribute-Platte ehren lassen musste. Und dann schleimte sich plötzlich noch eine ganze andere Jungen-mit-oder-ohne-Gitarren-Riege rein: Mellow Mark gab mit Rastafrisur und wohlfeilen Genua-/Schah-Demo-/Che-Bildcollagen im Video den Manu Chao für die deutsche Vorort-„Revolution“, Ben das total nachdenkliche Soul-Bärchi, und für die Fluthilfe-Benefizsingle „Lieber Gott“ des unschuldigen kleinen Marion mit seinen angeblichen „friends“ Lindenberg, Maffay und Nena gibt es im Englischen ein schönes Wort: Nauseating.

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