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Der Mensch Herbert kehrte zurück, und 79.999.999 Deutsche waren komplett aus dem Häuschen. Nur einer nicht. Der wollte wissen: "Wer ist Gronemeyer?

Gestandene Männer hatten Tränen in den Augen, als er im Konzert die Ballade „Der Weg“ sang. Geschöpfe im Alter seiner Kinder wogen ihre Leiber zur Single „Mensch“, dem ersten Nummer-1-Hit in der Karriere des 46- Jährigen. Das gleichnamige Album: Doppelplatin, bevor es im Laden stand. Die Hallentour im November: komplett ausverkauft innerhalb kürzester Zeit. Herbert Grönemeyer war wieder da. Mehr da als je zuvor. Warum? Lag das an der sanften Sound-Modernisierung des Deutschrockers? Ja, auch. Aber ganz bestimmt an (s)einer neuen Art Understatement, die bislang unbekannt war im Lager der deutschen Pop-Superstars. Personenkult als Resultat zurückgenommenen Personenkultes. Nicht Grönemeyer spielte die Hauptrolle im Video zur Single „Mensch“, sondern das Maskottchen seines Grönland-Labels, ein Eisbär. Nicht Grönemeyerwar auf dem Cover seines Albums zu sehen, sondern eine, nun ja, irgendwie hässliche Grafik. Das war toll. Das war cool. Nur einer wollte nicht einstimmen in den allgemeinen Jubelchor: Westernhagen, der andere deutsche Superstar. „Wer ist Grönemeyer?“, fragte er in „Bild“. Vorausgegangen war ein Interview im „Stern“, in dem Grönemeyer seinem Rivalen vorgeworfen hatte, undankbar zu sein. Er, Grönemeyer, habe vor Jahren für Westernhagens Erfolg gesorgt, als dieser in einer Karrierekrise steckte. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für Boulevardpresse und Schmuddel-TV, die den selbst induzierten „Dauerstreit“ noch besser ausschlachten konnten, als der Hamburger am 12. November mit seinem 16. Studioalbum „In den Wahnsinn den Bochumer vom Charts-Thron stieß. Doch eine Woche später war die Pop-Welt in Deutschland aus dessen Sicht wieder in Ordnung. Robbie Williams auf Platz 1, Grönemeyer auf 2, Westernhagenauf 6 -Tendenz: fallend.