Schuhkartons voll Song-Ideen


Die Welt ist voller Abenteuer. Rilo Kiley machen Musik daraus.

Auf dem mittlerweile hinlänglich bekannten Qualitätslabel Sadcile Creek aus Omaha waren Rilo Kiley gern gesehene Adoptivkinder. Die Band aus Los Angeles um die zierliche Frontfrau Jenny Lewis stach aus dem Kreis von Kollegen wie Bright Eyes, The Faint und The Good Life schon wegen ihrer Herkunft hervor. „Die familiäre Atmosphäre bei Saddle Creek war das Schönste, was uns je passieren konnte“, erinnert sich Jenny. Dennoch entschlossen sich Rilo Kiley schweren Herzens, das warme Nest zu verlassen. Das neue Album MORE ADVENTUROUS war damals schon mit dem Saddle-Creek-Hausproduzenten Mike Mogus aufgenommen worden, doch da das Indielabel auf Verträge vollkommen verzichtet und die Zusammenarbeit ausschließlich auf Freundschaft beruht, wares kein Problem, den alten Freunden zumindest geschäftlich den Rücken zu kehren. „Wir sind noch immer befreundet“, stellt die Sängerin klar, „aber die Vertriebsstrukturen von Saddle Creek reichen leider nicht besonders weit. In Europa bekam man unsere Platten lediglich in England und Deutschland. Und da wir gern ein breiteres Publikum erreichen möchten, haben wirein eigenes Label gegründet und lassen das neue Album von Warner vertreiben. Mal sehen, ob das funktioniert.“ Jenny Lewis zwinkert abenteuerlustig.

Das passt zu MORE ADVENTUROUS, denn der Albumritel ist – vor allem musikalisch – Programm: Die einzelnen Songs sind derart unterschiedlich geraten, dass man das Werk eher in Fragmenten als als Ganzes genießen kann, MORE ADVENTUROUS ist ein Puzzle, ein teilweise anstrengend unhomogenes. Es ist ein bisschen so, als lüftete man die Deckel von Jennys ganz privaten Schuhkartons, in denen sie „einen enormen Wust von kleinen Zetteln und Schnipseln“ aufbewahrt. „Ich schreibe immer und überall Songs und Songfragmente. Auf allem, was ich finden kann. In meiner Box sind Kassenbons, bunte Zettelchen, Fahrkarten.“ Das Absurdeste, worauf sie je ein paar Textzeilen gekritzelt hat, erzählt Jenny mit ihrem typischen hellen Lachen, waren Kotztüten im Flugzeug. „Ich fliege recht oft. Und irgendwann habe ich mir angewöhnt, auf die Kotztüten zu schreiben, weil ich halt nichts anderes dabei hatte. Wenn mir viel eingefallen ist und ich einen guten Lauf hatte, habe ich immer gewartet, bis meine Sitznachbarn zur Toilette mussten, und dann ihre Tüten auch noch stibitzt.“ Ein hygienisches Unglück habe es deshalb noch nie gegeben. Doch Rilo-Kiley-Songs sind ohnehin mehr wert, als die Reinigung vollgespuckter Hemden kosten könnte.

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