Pixies – Surfer Rosa

Für Steve Albini, Verfechter des Independent-Reinheitsgebots, Rockwüterich, Produzent, waresein Job wie jeder andere: Er kommt, verordnet Metal-Plektren, schiebt Mikros herum, geht ans Pult und sagt die nächsten zehn Tage kaum ein Wort. Albini: nimmt auf; Pixies: spielen. Mangels Anleitung: gerne verrückt. Das Ergebnis: heftig scheppernde Rockmusik, unberechenbar und jähzornig wie ein Pitbull ohne Hundeschulabschluß. Albini wird später sagen, daß er die Platte nicht mag. Das sagt er immer. Und doch war der Muffel am Pult für Surfer Rosa ein Segen (auch wenn die Platte in Soundfragen nicht über jeden Zweifel erhaben ist). So und eben nur so geriet das Debüt dieser spirituell leicht derangierten, größenwahnsinnigen, besessenen Kapelle zu dem Ereignis, für das der Titel Surfer Rosa (sollte eigentlich „Gigantic“ heißen, aber da war diese barbusige Flamenco-Tänzerin auf dem Cover…) heute steht: Diese Platte war nicht weniger als ein Erweckungserlebnis für den US-Alternativrock. Hierfür brauchten die Staaten – wie so oft – allerdings den Katalysator England, wo Kritik und Publikum schon anhand der (Demo-)EP Come On Pilgrim in Jubel ausgebrochen waren. Surfer Rosa schob 13 Quasi-Demos hinterher – ein letztlich nur von Frank Blacks nostalgischem Pop-Ideal zusammengehaltener Wahnsinn aus Latino-Flüchen, gehäuteten Surf- und Western-Klischees und instrumentalen (Joey Santiagos verwegenes Licking!) und vokalen (Black und Kim Deal im Clinch tollwütiger Wüstenhund vs. beschwippste Drossel) Tut-man-nichts, die bei aufgeweckten jungen Menschen noch heute folgende Reaktionskette auslösen: Kopf: schütteln – breit: grinsen – aus: flippen.

Aufgenommen: 1987, Q-Division/Boston

Produzent: Steve Albini

Bester Song: „Where Is My Mind“, „Break My Body“, „Cactus“

Höchste Chartsposition USA: keine

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