A Camp live in München

von

Kristofer Åström ist sichtlich gelöster, als bei seinem letzten Gastspiel in München vergangenes Jahr. Er plaudert und scherzt mit dem Publikum; ein stetes Lächeln auf den Lippen. Er hat auch allen Grund zufrieden zu sein: Das neue Material wird vom Publikum bestens aufgenommen und funktioniert live tadellos. Fast das ganze Set besteht aus Nummern des neuen Albums SINKADUS.Man wird das Gefühl nicht los, dass an diesem Abend nicht wenige nur wegen diesem kleinen Mann im Karohemd ins Backstage gekommen sind. Wie sonst könnte man sich die Jubeltiraden und das Fordern einer Zugabe erklären? Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd, als er wieder die Bühne betritt und schließlich ein weiteres Lied anstimmt. Viel zu schnell waren die 30 Minuten verflogen. Doch das Wiedersehen sollte nicht lange dauern…Die Bühne ist in rotes Licht getüncht, dichter Nebel erhebt sich und in den ersten Reihen drängen sich Bankertypen im Anzug und Anfang 40 dicht an dicht mit Indie-Kids und einem Ehepaar, das „einfach mal schauen“ will, oder sich in der Veranstaltung vertan hat.Es ist eine Besonderheit, die feenhafte Nina Persson abseits der großen Bühnen einmal ganz intim zu erleben. Verwunderlich also, dass nur an die 250 Leute den Weg ins Backstage gefunden haben.Alles konzentriert sich auf Nina Persson – die Scheinwerfer lassen einem aber auch keine andere Wahl. Sie gibt sich betont feminin, manchmal ist sie von schier mädchenhafter Schüchternheit oder malt Regenbögen in die Luft. Doch immer ist es das Gesamtbild, das bewegt: Während sie uns mit dieser glockenklaren Stimme einlullt, leidet sie vorbildhaft – zwei kleine Zornesfältchen zeichnen sich auf ihrer Stirn ab, der rötliche Schimmer der antiken Lampen im Hintergrund streichelt die Federn in ihrem Haar.Ihrem koketten Charme und der zauberhaften Stimme kann bald niemand mehr widerstehen und zumindest ein Körperteil wippt im Takt. Spätestens in der zweiten Hälfte des Sets hat sie alle auf ihrer Seite, nur das Ehepaar scheint unberührt, aber die wollten ja woanders hin. Für das Duett „Golden Teeth and Silver Medals“ wird Kristofer Åström unter tosendem Applaus zurück auf die Bühne geholt. Insgesamt darf er viermal mitwirken – mal als Gitarrist, mal als Sänger. Zum Abschluss versuchen sie sich an dem David Bowie-Cover „Boys Keep Swinging“. Nicht catchy, aber durchaus gelungen.Ein schwedischer Abend reich an Pathos, Grazie und Herren mit romantisch verträumtem Blick.

Raffaela Binder – 07.05.2009


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