Highlight: Konzerte selbst organisieren: Ein Glossar für angehende Konzert-Veranstalter

Das solltest Du beachten, wenn Du Dein erstes Konzert organisierst

Viele rutschen einfach so ins Leben eines Veranstalters. Früher in der Jugend mussten aus Mangel heraus eigenständig Partys und Konzerte organisiert werden, heute steht man vor der großen Aufgabe, die Band, die man erst am Vorabend in einer verrauchten Bar kennengelernt hat, an den Mann zu bringen. Alle Venues der Stadt abzuklappern bringt da meistens herzlich wenig, obwohl es natürlich ein Versuch wert ist. Vielleicht liest ja tatsächlich jemand die ganzen E-Mails, mit denen Booker und Clubs überschwemmt werden.

Die Bar um die Ecke

Die Erfahrung zeigt, dass die mühsam verfasste Nachricht inklusive eigenhändig zusammengeklatschtem Press-Kit in der Regel irgendwo im Meer versinkt. Bands gibt es wie Sand. Venues sind rar – und manchmal ausgebucht bis in Ewigkeit. Rein gequetscht wird ein Event meistens nur, wenn vorher persönlich oder über einen Bekannten Kontakt geknüpft wurde. Anfragen für einen Tag, der noch ein paar Monate in der Zukunft liegt, funktionieren da schon eher. Überlege dir, wen du kennen könntest, der wen kennt. Und wenn dir nur jemand einfällt, der in einer Berliner Eckkneipe hin und wieder Gitarren-Amp und Hocker in eine freie Ecke räumt und dann zum Mikrofon bittet. Fang dort an, denn an solchen Orten und mit ein wenig Zeit triffst du Menschen, die entweder genau dorthin wollen wie du oder bereits dort waren.

Kaltes Wasser inmitten der Idylle

Vielleicht hast du aber bereits eine Venue an der Strippe, die Dich einigermaßen ernst nimmt und auch die Band, die Du ihnen unterjubeln willst, ganz okay findet. Nun bist Du also endlich kurz davor, das zu tun, wovon Du zuhause beim Musik-Doku-Schauen geträumt hast.

Kooperation

Das Aufwachen wird schwer, denn fast nichts ist so romantisch wie dargestellt und vorgestellt: Die Bands wollen irgendwo schlafen, die Bar leeren und nichts dafür geben und brauchbares Equipment ist auch noch nicht vorhanden. Außerdem möchte die Venue als deine Verbündete und Mit-Urheberin ja auch gut wegkommen. Besonders am Anfang ist es nahezu unmöglich, auszuloten, wer was denn überhaupt will. Deshalb sei gesagt: Stell Fragen, auch wenn du dir blöd vorkommst. Denn all das sind keine unlösbaren Problem-Brocken. Irgendwann wird sich Routine breitmachen, doch das erste Mal in einer neuen Venue wird das nicht passieren. Man kennt sich nunmal nicht.

Fay Milton hinter der Rhythmus-Maschine der Savages.
Fay Milton hinter der Rhythmus-Maschine der Savages.

Ziel der ganzen Fragerei soll es übrigens sein, am Veranstaltungstag selbst nur noch rumzuhängen und den Drummern dabei zuzusehen, wie sie ihre Hände in die Rack-Tasche versenken und das gemeinsame Schlagzeug aufbauen. Idylle.

Sicher in der Getriebenheit

Damit sich die Beteiligten am Veranstaltungstag übrigens nicht die Köpfe einschlagen, ist es ratsam, im Vorfeld alle beteiligten Musiker und Ansprechpartner einheitlich und umfassend zu briefen. Nicht nur dient das der Koordination, auch müssen so am Veranstaltungstag nicht fünfzig Mal dieselben Fragen beantwortet werden. Außerdem sind Musiker und Menschen im Allgemeinen neugierig. Zu wissen wer wo was macht, ist immer gut und beruhigt die eigene Getriebenheit.

Ein weiterer Punkt der Sicherheit, der oft vergessen oder gekonnt ignoriert wird, ist die Veranstalterhaftpflichtversicherung. Jeder hat die Gefahren, die ein Konzert bergen kann, im Hinterkopf, nur die Wenigsten sichern sich aber tatsächlich gegen Sach- und Personenschäden ab. Sei schlauer. Abgesehen davon gibt es noch einige weitere rechtliche Stolperfallen, die du dir vorher ins Bewusstsein rufen solltest. Notausgänge dürfen beispielsweise auf keinen Fall zugestellt werden, sonst greift im Ernstfall keine Versicherung mehr. Die ganze Zeit über sollte ein Ansprechpartner der Venue, ein sogenannter Night Manager, vor Ort sein, der die Crew und Bands im besten Fall auf genau solche Fallstricke aufmerksam macht. Trotzdem darfst du nicht vergessen, immer selbst auf einen ordentlichen Ablauf deiner Veranstaltung zu achten. Die Handynummer des Night Managers ist im Übrigen unverzichtbar. Ihr müsst euch einfach erreichen können, sollte es Probleme geben. Und wenn es nur darum geht, dass sich jemand um einige Minuten verspätet.

Nach dem Gig ist vor dem Gig

Zu guter Letzt: Stell dich auf eine lange Nacht ein. Nicht im Sinne von „Party Hard“, sondern „Work, Work, Work“. Equipment will getragen, Menschen müssen koordiniert und Kontakte sollen geknüpft werden.

Und am nächsten Tag ist der Spuk schon wieder vorbei. Nachdem man sich mehrere Wochen mit diesem einen Abend auseinandergesetzt, sich drauf gefreut hat, fehlt irgendetwas. Deshalb: Der nächste Abend wird kommen. Nach dem Gig ist vor dem Gig.

Rhythm Magazine Getty Images

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