Alles unter Kontrolle

Vier Stilpiraten aus Bern halten auf ihrem aktuellen Album der Welt den Spiegel vor die Ohren. Resultat: Stop The Shoppers

Vor einem Jahr überraschten Stop The Shoppers mit ihrem zweiten Album „Kurt“. Bis dahin war das Trio für nervös treibenden Jazz-Punk bekannt, plötzlich aber kam die zum Quartett aufgestockte Band mit berndeutschen Songs. Richtige Rocklieder waren das, wenn auch eigenwillige. Mühelos wechselten sie von einem Stil zum nächsten, verwendeten weiche Slide-Gitarren ebenso wie harte Samples. Die Berner Mundartrock-Szene war um eine farbige Attraktion reicher. Mit dem neuen Album „So Wi Di Grosse“ wird dasselbe Konzept weiterentwickelt: Wiederum bedienen sich die vier Musiker, wo und wie es ihnen gefällt — und so segelt man kreuz und quer durch Rock und benachbarte Stile, vom fröhlichen Cajun-Shuffle über melancholische Tom Waits-Anleihen bis zur strammen HipHop-Nummer. Das stilistische Spektrum wurde konsequent erweitert, mit einem spürbaren Unterschied allerdings: Bei den Aufnahmen zu „Kurt“ war Keyboarder Chrigu Brantschen noch nicht voll integriert, auf der neuen Platte hat er nun seinen festen Platz in der Band. Zu dieser wilden stilistischen Mischung gibt’s berndeutsche Texte, die die Welt als Aneinanderreihung von Absurditäten beschreibt. Die Welt von Stop The Shoppers ist gleich geblieben, und doch hat sie sich gewandelt: Zwischen den Zeilen liest sich hier oft ein treffender Witz heraus, der vormals oft fehlte. Bleibt zu hoffen, daß das kreative Quartett mit „So Wi Di Grosse“ endlich den Durchbruch schafft.

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