Attacke Azteka: Airen klärt über Cumbia auf

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Ein Akkordeon und eine diffus raschelnde Rhythm-Crowd. Hüftschwung, Witz und ein verschwitztes Lächeln in der Nacht. Hetzende Waschbrettrhythmen, hüpfendes Salsa-Piano, Negergesang – Ja: Das ist Latino, Latinoamerika!

Kolumbianischen Ursprungs eigentlich, aber jeder Prolet in Mexiko hält etwas auf sein neuestes Cumbia-Piratentape. Ihr seid im dichten Verkehr Mexiko Citys und ein abgehalfterter, klappriger Mikrobus chauffiert euch mit lautem Gehupe durch stressige Slums? – Garantiert läuft Cumbia in den geklauten Speakern. Dein Taxifahrer schifft dich nachts durch die gefährlichsten <em>barrios</em> zu deiner Koks-Connection: Cumbia garantizada. Cumbia ist Proleten-Sound, Cumbia ist Nacht-Chiffre. Eins-Zwo-Eins-Zwo. Cumbia ist Unterschichten-Musik, ein kolumbianischer Paartanz sagt Wikipedia, und damit ist alles gesagt – zu diesem Sound wird gefickt, ja! Schwingende Elektro-Orgeln, sentimentaler Gesang und verhallte Zwischenrufe auf billigen Anlagen. Dichte Percussions, Altmännergesang und immer wieder das Akkordeon, von breiten, gegerbten Arbeiterpranken eher intuitiv intoniert. Auf richtig schlechten, alten Tapes kommt Cumbia erst so wirklich rüber. Cumbia erklingt an knisternden Lagerfeuern am Rande vergessener Pampa-Dörfer, oder in den überfüllten Mehrzweckhallen hitziger Dritt-Welt-Metropolen.

Es ist eine ehrliche Musik. Hier klingen die weiten Felder der Sierra durch, die tausenden Zigaretten, die der Sänger allein des nächtens geraucht hat, mit Liebeskummer; diese Musik ist so traurig und so fröhlich, wie man es nur in Lateinamerika gleichzeitig sein kann. Cumbia!


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