Attacke Azteka: Airen über den Mariachi

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El mariachi loco quiere bailar, quiere bailar el mariachi loco, quiere bailar el mariachi loco, ayayayayayyyy!!!
… oh, sorry, hat schon angefangen. Also Freunde, willkommen zurück bei Attacke Azteka, die Freuden des Müßiggangs sind vorbei, jetzt wird sich hier mal am Straps gerissen und was gelernt -wir sind schließlich beim Musikexpress. Also setzt es ab heute trockenste Theorie; die nächsten Wochen gibts einen Exkurs in die facettenreiche Musikwelt Mexikos.

Ja, Mexiko, das bunte Land der Kakteen, die Pyramiden der Mayas und Azteken, der von Erdbeben und Vulkanen erschütterte Boden, dieses von Drogenbanden zerfressene Kriegsgebiet, die fettesten Menschen weltweit, Tacos, Palmen, Sombreros und: Eine einmalige Musiklandschaft. Wer hört was? Was klingt wo und wann? Was hören die Alten? Was die Jungen? Was ist wirklich hörenswert? Was ist großer Mist? Und vor Allem: Was kennen wir noch nicht?

Es gilt Klischees zu widerlegen, und noch öfter, sie aufs vulgärste zu bestätigen. Wir werden in einem seltsamen zeitverzerrten Spiegel über den Atlantik schauen und der Musik unserer Großmütter in einem neuzeitlichen Gewand begegnen, wir werden komische elektronische Palmenmusik hören, die nur am Meer funktioniert und sonst nie ans Festland gespült würde und wir werden vielleicht auch ein bisschen schauen, was mit uns Europäern geschieht, wenn wir diese ferne Musik einfach so wirken lassen. Bei einem Joint zum Beispiel. Ich sagte ja: Es wird anstrengend.

Mariachi  

Halt! Mariachi ist ja keine Musikrichtung sondern bezeichnet lediglich eine Musikformation, weiß der Mexikologe. Welche dann verschiedene Stile spielt.

Theoretisch ja, aber – am Ende klingt es doch alles gleich. Eine Mariachi-Band, das sind fünf bis zehn beschnauzbarte Troubadoure in einheitlicher Tracht und breiten bortenverzierten Stoffhüten, die melancholische bis wilde Lieder zum Besten geben. Mariachi ist Mexiko pur: Ungezügelte Rhythmusgitarren, stürmische Geigen, aufgekratzte Trompeten und Satzgesang, mal melancholisch, mal draufgängerisch. Mariachis dürfen in keiner mexikanischen Cantina fehlen, die Band bewegt sich von einem speckigen Tisch zum nächsten und spielt für jeden, der ein paar Pesos zahlen mag das Lied der Wahl. Jeder Mexikaner kennt das Repertoire dieser Gruppen auswendig und weiss den adäquaten Song für den Moment. Mariachis sind Saufmusik. El Mariachi Loco, der Song von oben, geht dann auch gleich weiter:<em> „El mariachi loco quiere tomar, quiere tomar pero no lo invitan“.

Der verrückte Mariachi möchte also saufen, saufen möchte er, aber keiner lädt ihn ein. Das alte mexikanische Dilemma.

Wer eine Frau rumkriegen will, bestellt eine Mariachi-Band an ihr Fenster und lässt „Si Nos Dejan“ spielen. Mariachis werkeln stets an der Grenze zum Schmalz; aber unter dem dunklen Himmel Mexikos, mit dem Geruch verbrannter Bananenstauden in der Nase,  plötzlich: Eine Musik, wie sie origineller und originärer nicht sein könnte. Musik von hier. Die Wellen des Pazifik, kleine vergessene Muscheln im Sand, jetzt und immer, die Steppe und ihre Einsamkeit, mannshohe Kakteen, und der Liebhaber der sich mit einer Revolverkugel im Kopf an die Stacheln lehnt und ein letztes Mal „te amo“ haucht, nein: hier gehört diese Musik hin. Mexikaner sind Weicheier, ich weiss, aber bei einem feinen Tequila und einem guten Mariachi-Quintett versteht man auch, warum. Wen von euch lässt denn ein Peter Kraus-Film am Sonntag Nachmittag kalt? Also. Gibt es absolut nichts gegen einzuwenden. So ist das halt. Mariachi, das ist eben die antiquierte Stimme Mexikos. Und noch einen Tequila bitte, ayayayayayyyy!

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