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Tour-Tagebuch

Auf Tour mit Tocotronic – Tag 3, Heidelberg: Hemingway & Ginsberg

Morgens wachen wir bei den nettesten Menschen der Welt in der schönsten WG der Stadt auf. Mitten in Münster, mit Blick auf einen Wasserturm. Ausgeschlafen. An den Wänden hängen antisexistische Plakate, auf dem Teppichboden steht hölzernes Kinderspielzeug, in den Regalen die richtigen Bücher. Hier ist die Welt verdammt nochmal in Ordnung. Zum Frühstück gibt es Harissa und vegane Nutella, wir lernen eine britische Band kennen, die der Freund unserer Gastgeberin (Bassist und Sänger der Münsteraner-Modern-Hardcore-Formation Idle Class) in seiner Wohnung eine Etage unter uns beherbergt. Die haben gestern in Belgien gespielt und müssen jetzt nach Kiel. Ein Routing wie geworfene Dartpfeile auf der Europakarte. Wir spenden Mitleid und verabschieden uns in Richtung Heidelberg.

Zum Bahnhof fahren wir Slalom um die üblichen Münsteraner Fahrradfahrer (die Zukunft des städtischen Verkehrs ist hier greifbar! – fast wie in Kopenhagen, wo die Menschen jetzt schon glücklich sind und gesund). Dort steigt Laurens zu uns in den Bus. Laurens spielt ab heute Bass. Und ist ziemlich sicher der gefragteste Bassist Hamburgs: Neben seinem Job als Basser der Ilgen-Nur-Band, spielt er auch noch beim R’n’B-Avant-Pop-Projekt Monako, bei Erregung Öffentlicher Erregung und hat ein Drum’n’Bass’Duo namens LBKK. Soll noch mal jemand sagen in der Musikschule, der Bass sei ein unbeliebtes Instrument. Denn: Überambitionierte Gitarristen gibt es wie Sand am Meer.

Von Münster nach Heidelberg am Weltfrauentag

Wie Deutschland aussehen würde, wenn die Alliierten Deutschland nicht bombardiert hätten? Wie Heidelberg. Behauptet der Protagonist in Christian Krachts „Faserland“. Die Halle 02 liegt allerdings nicht in der pittoresken Altstadt, sondern in einem durchgestylten Neubaugebiet, in dem sich ein Block Eigentumswohnungen an den nächsten reiht. Heute ist Weltfrauentag. In Ostfriesland – wo ich aufgewachsen bin – nimmt man es ernst mit den Vatertagstraditionen. Dann treffen sich alle geschlechtsreifen Männer des Dorfes in Gruppen, sammeln sich um Bollerwagen und ziehen Korn saufend über die Dörfer. Mittags liegen sie dann auf der Wiese und kotzen sich die Seele aus dem Leib. Ich würde sie gerne gegen 365 Weltfrauentage im Jahr eintauschen.



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